Szene-News 04.11.2016

Aus den Gremien

Filmreifes von Constantin

Dieter Hahn, früherer Vertrauter des Medienmoguls Leo Kirch (†) und Großaktionär der Constantin Film AG, ist als Aufsichtsrat abberufen worden. Für ihn wählte die HV Peter von Büren in das Gremium – einen Vertrauten von Ex-Constantin-CEO und Großaktionär Bernhard Burgener, dem Widersacher Hahns im Streit um die Unternehmensstrategie (siehe auch GermanBoardNews vom 15. Juli).

96 mit prominentem Transfer

Altbundeskanzler Gerhard Schröder ist neuer Aufsichtsrat der Hannover 96 GmbH und Co. KGaA, also der Profi-Abteilung des Zweitligisten. Der 72-Jährige ist eines von acht Mitgliedern, die die HV in das Gremium berufen hat. Ausgeschieden ist unter anderem Drogerieunternehmer Dirk Roßmann. Es ist Schröders zweites neue Mandat binnen weniger Wochen.

Umbruch bei Alno Küchen

Hanns Rech, Norbert Orth, Werner Rellstab und Anton Walther haben ihre Aufsichtsratsmandate beim kriselnden Küchenbauer Alno niedergelegt. Damit festigt der bosnische Finanzinvestor Tahoe seine Macht. Tahoe hat kürzlich den US-Haushaltsgerätehersteller Whirlpool als Alno-Investor abgelöst und will nun eigene Vertreter in den Aufsichtsrat entsenden.

Prominenter Beirat

ZhongDe Waste, ein chinesischer, in Deutschland börsennotierter Anbieter von „Energy-from-Waste“-Müllverbrennungsanlagen, hat drei neue Aufsichtsräte: Chuantong Li, Triomphe Zheng Lin und Li Zhuang. Die Vorgänger Gerrit Kaufhold, Bernd Neukirchen und Feng-chang Chang hatten ihre Mandate niedergelegt. Neuer AR-Chef ist der Energietechnik-Professor Chuantong Li.

 

Investoren-Szene

Managergehälter im Visier

Britische Fondsmanager haben sich auf neue „Renumeration Principles“ verständigt und in einem offenen Brief an die Boards der FTSE-350-Unternehmen erläutert, was diese mit Blick auf die HV-Saison 2017 beachten sollten. Das Vergütungsniveau bleibe für Investoren, aber auch die Gesellschaft, „besorgniserregend“. Nötig seien zum Beispiel Boni-Limits sowie Transparenz in Sachen Zielvereinbarungen und „pay ratios“.

Neuer Governance-Kodex

Am Mittwoch hat die Konsultation für Änderungen am Governance-Kodex begonnen. Die Regierungskommission schlägt unter anderem vor, künftig „aufsichtsratsspezifische Gespräche“ des AR-Chefs mit Großaktionären sowie konkrete Anforderungsprofile für Aufsichtsräte zu empfehlen. Auf beides drängen Investoren seit langem. Wir werden die Vorschläge auf dem Deutschen Aufsichtsratstag in zwei Wochen diskutieren.

Mehr Macht für Aktivisten?

Die US-Börsenaufsicht SEC will es Investoren erleichtern, Mehrheiten zu schmieden und eigene Kandidaten für Boards durchzusetzen. Dazu hat sie vorgeschlagen, Unternehmen zu „universal proxy ballots“ zu verpflichten. Das würde dazu führen, dass Investoren sich bei Abstimmungen leichter vertreten lassen könnten als bisher. Kritiker fürchten, dass Aktivisten dadurch mehr Macht bekommen.

Kritik an großen Fonds

Laut einem Ranking des Analysehauses Morningstar haben beliebte Aktienfonds oft unterdurchschnittliche „Sustainability Scores“ – investieren also in viele Unternehmen, die bei Frauenquote, Managergehältern und CO²-Emissionen eher schlecht abschneiden. Das liege auch daran, dass große Fonds tendenziell Aktien große Konzerne auswählen. Und diese kämen bei Corporate-Governance-Themen oft langsamer voran.

 

Kurz notiert

Maschmeyer vs. Claassen.

Der Streit zwischen Investor Carsten Maschmeyer und Aufsichtsratschef Utz Claassen um die Medizintechnik-Firma Synetellix (GermanBoardNews vom 30.09.) schwelt weiter. Nun verbuchte Maschmeyer einen Punktsieg.

Sportverbände / Diversity.

Die zuständigen britischen Institutionen haben Sportverbände wie die „Football Association“ aufgefordert, mehr Frauen in die Führungsgremien zu holen. Ab April gilt ein neuer „Code for Sports Governance“.

Barroso / Goldman Sachs.

Das Engagement des ehemaligen Kommissionspräsidenten Juan Manuel Barroso als Chairman von Goldman Sachs International ist kein Verstoß gegen EU-Regeln. Das meint jedenfalls das Ethik-Komitee der EU-Kommission.

Frauen / Pay Gap.

Laut einer Schätzung des World Economic Forum dürfte es noch 170 Jahre dauern, bis Frauen flächendeckend das Gehaltsniveau ihrer männlichen Kollegen erreichen.

DCGIBoardNews

Die neuesten Corporate Governance News kostenlos in Ihrem Posteingang.

Jederzeit abbestellbar.