Szene-News 25.11.2016

DART-Splitter

Lob bei „Dinner & Talk“

Wenn ein CEO einem Aufsichtsrat attestiert, „besonders unangenehme Fragen“ zu stellen, darf das als höchstes Lob verstanden werden. Insofern wird Rolf Nonnenmacher, früherer KPMG-Europa-Chef und jetziger Covestro-Aufsichtsrat, die Aussage von Vorstandschef Patrick W. Thomas mit Freude vernehmen. Während des traditionellen Formats „Dinner & Talk“ am Vorabend des DART outete sich der Brite Thomas zudem als Fan des deutschen Two-Tier-Systems – und der Mitbestimmung.

Segelschiff oder Rennwagen?

In einer Frage wichen die Einschätzungen der Diskussionsteilnehmer zum Thema Digitalisierung voneinander ab: Müssen Unternehmen nun zu „Segelschiffen“ werden, wie INSEAD-Professorin und Multi-Aufsichtsrätin Annet Aris sagte – oder doch besser zu „Rennwagen“ (Ringier-Managerin Xiaoqun Clever)? Hauptsache schneller und wendiger als bisher, lautete schließlich das einhellige Fazit, dem sich mit Startup-Unternehmer Nico von Rintelen auch der Dritte im Bunde anschloss.

Leitfaden für Cybersicherheit

Das Risiko von Cyberangriffen ist rapide gestiegen – aber was genau sollten Aufsichtsräte machen, um ihr Unternehmen zu schützen? Chris Leach and Richard Archdeacon von Hewlett Packard erläuterten die Cyber-Resilience-Initiative des World Economic Forum, deren Nukleus ein detaillierter Leitfaden für Führungsgremien ist („Principles and tools for boards“). Das Papier wird auf der Davos-Konferenz im Januar präsentiert. Sobald es verfügbar ist, erfahren Sie das an dieser Stelle.

Wie Hacker arbeiten – live!

Zum Abschluss des DART gab es ein ganz besonderes Highlight: Alexander Löw, Geschäftsführer der  Data-Warehouse GmbH, präsentierte live, wie Hacker arbeiten. Die Teilnehmer verfolgten erstaunt, wie der Experte nahezu problemlos in schlecht gesicherte Systeme eindrang – darunter die Steuerung einer Solaranlage und die Buchungssoftware eines Hotels. Wenn es noch eines Beweises für die Relevanz des Themas Cybersecurity bedurft hätte: das war er.

DART for investors

Mehr reden! Aber worüber?

Alexander Dibelius, Aufsichtsrat und Deutschland-Chef von CVC Capital Partners, mahnte in Bezug auf die geplanten Kodex-Änderungen Klarstellungsbedarf an. Wenn Aufsichtsratschefs verstärkt mit Investoren sprechen sollten, müsse geklärt werden, wie weit sie dabei gehen dürfen. Die Formulierung „aufsichtsratsspezifische Themen“, so seine Botschaft, sei zu schwammig. Auch bei Begriffen wie „ethische Prinzipien“ oder „ehrbarer Kaufmann“ fehle es an Inhalten, was die Frage nach der Praxistauglichkeit aufwerfe.

Unabhängige Funktionäre?

George Dallas, Director des International Corporate Governance Network (ICGN) und damit Vertreter von 650 Investoren aus 47 Ländern, lobte das deutsche Governance-System und den Kodex. Allerdings gebe es aus Sicht ausländischer Aktionäre offene Fragen – etwa nach der „Effektivität der Mitbestimmung“. So sei gerade bei Gewerkschaftern bisweilen fraglich, ob sie tatsächlich unabhängig urteilen.

Kommunikative Zurückhaltung bei Strategie-Fragen

Wulf von Schimmelmann, Mitglied der Kodex-Kommission und Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Post, nannte in seinem DART-Vortrag drei Themenbereiche, über die Aufsichtsratschefs mit Investoren sprechen sollten: die Besetzung des Vorstands, dessen Vergütung sowie die Zusammensetzung des Aufsichtsrats. Zurückhaltung ist aus seiner Sicht bei strategischen Themen geboten. Dies sei – jedenfalls kommunikativ – Sache des Vorstands, meint er.

Warum ist Kommunikation eigentlich Chefsache?

In diesem Zusammenhang warf ICGN-Director George Dallas die Frage auf, warum laut Kommission nur der Aufsichtsratsvorsitzende mit Investoren sprechen solle. Es sei doch beispielsweise denkbar, so Dallas, dass auch der Vorsitzende des Vergütungsausschusses kommunziere, wenn es um Boni und Managergehälter gehe.

Kurz notiert

Aktionäre für Klimaschutz

US-Investoren wollen erneut deutlich machen, wie wichtig der Klimaschutz aus ihrer Sicht ist (siehe auch GermanBoardNews vom 18. Nov.). Man werde der neuen US-Regierung „klar signalisieren, dass der Wandel unumkehrbar ist“, kündigte Stephanie Pfeifer von der „Institutional Investors Group on Climate Change“ an.

Ultra im Aufsichtsrat

Beim Drittligisten Hansa Rostock ist mit Sebastian Eggert ein Fan aus der „Ultra“-Szene in den siebenköpfigen Aufsichtsrat gewählt worden. Neu im Gremium ist zudem der Rostocker Finanzsenator Chris Müller.

Immer mehr Cyberangriffe

Laut einer aktuellen Umfrage des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind 66 Prozent der deutschen Unternehmen bereits Ziel von Hackerangriffen gewesen. Im vergangenen Jahr lag die Quote noch bei 58,5 Prozent.

Uli Hoeneß kehrt zurück

Auf der Jahreshauptversammlung von Bayern München wird Uli Hoeneß heute aller Voraussicht nach zum Vereinspräsidenten gewählt, womit er automatisch in den Aufsichtsrat der FC Bayern AG aufrücken würde – trotz Bedenken von Corporate-Governance-Experten.

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