Unser komplexes Steuersystem kommt nicht von ungefähr. Wenn Politiker Gutes fördern oder Böses sanktionieren wollen, bringen sie mit Vorliebe das Steuerrecht ins Spiel – sei es beim Wohnungsbau, bei Venture-Capital-Investitionen oder aktuell bei den Managergehältern: Die SPD hat vorgeschlagen, die steuerliche Absetzbarkeit hoher Saläre zu begrenzen und will das zum Wahlkampfthema machen (GermanBoardNews vom 16. Dezember). Damit droht eine bürokratische und praxisferne Regelung, die deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb benachteiligt. Allerdings könnten wir jene Aufsichtsräte, die Exzesse geduldet haben, nicht von einer Mitschuld freisprechen – genauso wenig wie Vorstände, die trotz Unternehmenskrisen üppige Boni eingefordert haben. 2016 wird in diesem Kontext vor allem wegen der Boni-Debatten bei VW und der Deutschen Bank in Erinnerung bleiben, die eine Steilvorlage für Regulierungsfreunde in der Politik waren (und leider auch Wasser auf die Mühlen von Populisten). Wir wünschen uns mehr Aufsichtsräte, die gegensteuern – und Vorstände mit dem „Mut, nicht immer alles einzufordern, was vertraglich zugesichert ist, wenn es aktuell unpassend wäre“ (Bayer-Vorstandschef Werner Baumann im Handelsblatt-Interview).