Die Chefs und die Algorithmen: Warum viele Unternehmen am digitalen Wandel scheitern

Warum scheitern Unternehmen am digitalen Wandel? Die Antwort findet sich nicht selten im Aufsichtsrat.

Die Idee des Digital Board Rooms: Vorstände entscheiden schneller und besser, weil alle Geschäftsprozesse abgebildet werden und jede Entscheidungsmöglichkeit simuliert wird. Ein ziemlich beeindruckendes Konzept, das auch dem CFO eines großen deutschen Konsumgüterherstellers ein Carrera-Bahn-zu-Weihnachten-Leuchten in die Augen trieb – und Skepsisfalten um seinen Mund. Man spürte deutlich: Dieser besserwisserische Algorithmus-Heini da vor ihm, mit seinen Torten, Balken, Zahlenreihen und Funktionen, ist gewiss der Letzte, dem er irgendwelche Entscheidungen überlassen oder mit dem er sie auch nur teilen will.

Überprüfbarkeit, Messbarkeit, das Aufgeben von Kompetenzen an den Algorithmus – nichts, was einen klassischen Industriekapitän wirklich befriedigt. Da geht es direkt an Status und Selbstverständnis: hier die Koryphäe, die die wichtigsten Fakten kennt und das Chaos drumherum mit untrüglichem Bauchgefühl verwaltet – dort ein Programm, das nach zwei Klicks ein lapidares „Das wird so nix“ ausspuckt.

Nun kann ich 2016 im Umgang mit deutschen Vorständen von Volkswagen Börsen-Chart zeigen über Lufthansa Börsen-Chart zeigen bis hin zu Putzmeister durchaus feststellen, dass der digitale Wandel Thema in Entscheidungsgremien ist. Aber dort oben sitzen nun einmal exakt diese Koryphäen, und so wird zwar Handlungsbedarf festgestellt, aber selten gehandelt. Es fehlt an Digital Leadership. Die Folgen der Digitalisierung für Unternehmen lassen sich im Grunde auf zwei einfache Ideen reduzieren: hier neue Mittel zur Prozessoptimierung, dort neue Handlungsfelder für ganz andere Geschäftsmodelle. Die Prozessoptimierung hilft am oberen Ende der S-Kurve des Innovationsmanagements, wo weiter hart in Richtung Limes optimiert wird. Die neuen Geschäftsfelder schaffen die Grundlage für weitere S-Kurven und damit langfristig die Lebensfähigkeit des Unternehmens.

Digital Leadership gelingt es, den Übergang von alter Wertschöpfungsexzellenz zur nächsten Innovationskurve zu moderieren. Martin Winterkorn (69; ehemals VW) hat sich der Diskussion über neue Formen der Mobilität eher verweigert und diese so schlicht verhindert.

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