Hauptversammlungen: Warum öffentliche Kritik kein „Klamauk“ ist

Die HV-Saison 2017 wirft ihre Schatten voraus: Siemens lädt am 1. Februar traditionell zum ersten großen Aktionärstreffen des Jahres, bevor ab April die meisten anderen namhaften Konzerne folgen. In diesen Wochen beginnen deshalb Vorfeld-Gespräche zwischen wichtigen Investoren und Vorständen (sowie Aufsichtsratschefs). Dagegen ist nichts einzuwenden, solange Gremien nach nachvollziehbaren Kriterien entscheiden, wen sie empfangen – und nichts Vertrauliches ausplaudern. Der Anschein einer Hinterzimmer-Diplomatie lässt sich aber oft schwer vermeiden; vor allem, wenn Großinvestoren andere Interessen verfolgen als Kleinaktionäre. Deshalb ist es wenig hilfreich, wenn mächtige Investoren-Vertreter wie Friedrich Merz von BlackRock, die allein auf Vorfeld-Dialog setzen, öffentliche Kritik auf der HV als „Klamauk“ belächeln (siehe GermanBoardNews vom 9. Dezember). Sicher: Manche Einlassung von Kleinaktionären hat dieses Label mehr als verdient. Trotzdem muss die HV, auf der zentrale Entscheidungen fallen, Ort eines regen Austauschs bleiben. Wird im Vorfeld schon alles geklärt, widerspricht das dem Grundgedanken von Publikumsgesellschaften und schreckt Kleinaktionäre ab. Der – sowieso darbenden – Aktienkultur in Deutschland wäre ein weiterer Bärendienst erwiesen.

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