Shareholder Value vs. Agilität: Das zweite Ende der Konglomerate

Erinnern Sie sich noch? In den Neunzigerjahren gerieten Mischkonzerne zunehmend unter Druck und wurden an der Börse oft mit einem „Konglomerats-Abschlag“ gehandelt. Die Logik dahinter basierte auf dem Shareholder-Value-Prinzip: Investoren bevorzugten schlanke Unternehmen mit klarem Focus, weil sie leichter einschätzbar sind. Für die Risikostreuung, so ihr Credo, sorgen wir in unseren Portfolios selbst. Im Zuge der Finanz- und Schuldenkrise ließ der Druck nach, doch seit einiger Zeit erleben wir wieder mehr unternehmerische Schlankheitskuren – denken Sie an Bayer/Covestro, Eon/Uniper und aktuell die Metro. Weitere Abspaltungen könnten bald folgen, etwa bei Siemens (Medizintechnik) und der Deutschen Bank (Asset Management). Diesmal dominiert nach unserem Eindruck ein anderes Motiv: Infolge der Digitalisierung müssen Unternehmen agiler werden – also schneller als bisher neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entwickeln. Da können komplexe Konzern-Strukturen stören; wenn stets erst der Zentralvorstand zustimmen muss, sorgt das schließlich für Verzögerungen. Abspaltungen sind deshalb oft die richtige Entscheidung. Doch Vorsicht: Das Motiv „Agilität“ steht nicht immer im Vordergrund; bisweilen könnten Verantwortliche den Töchtern schließlich stattdessen kurzerhand größere Spielräume einräumen und so ebenfalls dafür sorgen, dass Entscheidungen schneller fallen. Sicher ist: Mancher Investor, der das Hohelied der Agilität sinkt, hofft in Wahrheit auf hohe Sondererlöse durch attraktiver Firmenbewertungen – und damit auf kurzfristigen „Shareholder Value“.

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