Vertraulichkeit: Ein dringender Appell an Plaudertaschen im Aufsichtsrat

Schon erstaunlich, was wir in den Tagen nach dem Rücktritt von Bahnchef Rüdiger Grube über die entscheidende Aufsichtsratssitzung erfahren durften: Medien von der Rheinischen Post bis zur ZEIT wussten brisante Details über den Ablauf zu berichten – meist unter Berufung auf anonyme Quellen. Für uns ist damit klar: Mindestens ein Aufsichtsratsmitglied pflegt engen Kontakt zu Journalisten und scheut sich nicht, Interna auszuplaudern. Vermutlich gibt es sogar mehrere auskunftsfreudige Kontrolleure. Wir möchten deshalb nochmal daran erinnern, dass Aufsichtsräte zur Verschwiegenheit verpflichtet sind – und diese Pflicht laut VARD-Berufsgrundsätzen im Zweifelsfall „eng auslegen“ sollen. Vertraulichkeit ist also nicht nur bei Geschäftsgeheimnissen angezeigt. Und klar ist auch: Es erschwert offene Diskussionen und damit eine effiziente Überwachung, wenn Gremienmitglieder fürchten müssen, dass ihre Aussagen am nächsten Tag in der Presse stehen. Mal ganz abgesehen davon, dass öffentlich ausgetragene Konflikte nicht nur der Reputation des Aufsichtsratsvorsitzenden schaden, sondern auch dem Unternehmen. Das zeigen die Querelen bei der Bahn gerade eindrucksvoll.

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