Aufsichtsratshaftung: Die Argumentationsschwächen der VW-Kontrolleure

Es gab wohl selten ein deutlicheres Dementi. Die Behauptung des Ex-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch, er habe vier Gremienmitglieder schon früh über Probleme in den USA informiert, könne man „neudeutsch eigentlich nur als Fake News bezeichnen“, sagte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) Ende letzter Woche. Und tatsächlich spricht vieles für einen Rachefeldzug des Patriarchen, der als nachtragend gilt. Allerdings haben die betroffenen Aufsichtsräte – neben Weil sind das vor allem Betriebsratschef Bernd Osterloh, Ex-IG-Metall-Vorsitzender Berthold Huber und Wolfgang Porsche – über ihre persönliche Glaubwürdigkeit hinaus bisher keine überzeugenden Argumente geliefert. So verwies der Aufsichtsrat in einer Stellungnahme darauf, dass die Kanzlei Jones Day bei ihren Untersuchungen „keine Anhaltspunkte für die Richtigkeit dieser Behauptungen“ gefunden habe. Der Haken an der Sache: VW hat laut Medienberichten im Januar entschieden, den Jones-Day-Bericht nicht zu veröffentlichen. Wir müssen das also erstmal glauben. Und auch das kolportierte Argument, selbst die strengen US-Ermittler hätten den Aufsichtsrat nicht ins Visier genommen, verfängt nicht so recht. Denn erfahrungsgemäß kennen sie zwar Aufgaben und Verantwortlichkeiten im „One-Tier“-System genau, können aber mit der Rolle von Aufsichtsräten bisweilen wenig anfangen. Wir würden uns deshalb bessere Argumente wünschen, um die unselige Debatte zu beenden – womöglich durch eine teilweise Veröffentlichung des Jones-Day-Reports? Denn klar ist: Aufsichtsräte, die sich mit Verdächtigungen oder gar Rücktrittsforderungen konfrontiert sehen, können ein Unternehmen nicht in ruhigeres Fahrwasser führen. Und das wäre dringend nötig.

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