Autozulieferer Grammer: Mit Chinesen in die Abwehrschlacht

Investoren aus China stehen immer wieder unter kritischer Beobachtung. Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Der Autozulieferer Grammer hat einen chinesischen Großinvestoren als Partner gewonnen – um sich damit gegen einen anderen Investoren zu schützen.

Eine Schutzmaßnahme: Der Autozulieferer aus dem SDax bandelt mit dem chinesischen Unternehmen Ningbo Jifeng an. Die Chinesen werden strategischer Partner und sollen auch Aktionär werden. Grammer sucht Schutz im Kampf gegen die umstrittene Investorenfamilie Hastor.

Grammer bestätigt am Morgen den Einstieg des chinesischen Autozulieferers Ningbo Jifeng. Die Chinesen erwerben eine Pflichtwandelanleihe in Höhe von 60 Millionen Euro, die in einem Jahr in Grammer-Aktien umgewandelt wird. Dadurch wird Ningbo einen Anteil von 9,2 Prozent an Grammer halten.

Außerdem vereinbaren die beiden Unternehmen eine strategische Kooperation. Sie wollen damit ihre gemeinsame Wettbewerbsposition – insbesondere im chinesischen Markt – verbessern und damit das zukünftige Wachstum und die Wertsteigerung ihrer Firmen sichern. In der Nacht hatte Grammer bereits über fortgeschrittene Gespräche mit Ningbo berichtet.

Man kennt sich

Das chinesische Unternehmen, das wie Grammer auch Volkswagen und BMW beliefert, ist kleiner als der deutsche Konkurrent, wird aber an der Börse in Shanghai deutlich höher bewertet. Jifeng produziert auch in Tschechien.

Der Amberger Hersteller von Kopfstützen, Armlehnen und Autositzen und Ningbo kennen sich bereits seit längerem. 2012 hatte Grammer den tschechischen Autozulieferer Nectec übernommen und dabei auch die Hälfte an einem Gemeinschaftsunternehmen mit NingBo erworben.

Grammer-Aktie im Übernahmefieber

An der Börse gibt es schon länger Übernahmespekulationen. Der Kurs der im SDax notierten Grammer-Aktie hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als verdoppelt. Am Montag hatte der Kurs mit 58,99 ein Rekordhoch erreicht. Grammer ist damit an der Börse derzeit 672 Millionen Euro wert. Heute verliert die Aktie vorbörslich 1,4 Prozent und entfernt sich von ihrem Höchststand.

Der neue Aktionär kommt Grammer sehr zupass. Der Konzern kämpft seit Wochen gegen die Einflussnahme der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor, die sich bei Grammer eingekauft hat. Sie will auch den Grammer-Vorstand austauschen und fordert fünf Sitze im Aufsichtsrat.

Angst vor den Hastors

Grammer-Chef Hartmut Müller hatte sich erst am Wochenende in einem Interview mit den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX mit Blick auf die Hauptversammlung besorgt geäußert. Hastor hält bereits zwischen 20 und 30 Prozent der Aktien – de facto liegt der Einfluss aber höher.

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