Deutsche Bank/Postbank: Wenn Aufsichtsräte über Kredite entscheiden

Wird der angeblich überzogene Eifer eines Aufsichtsrats für die Deutsche Bank zum juristischen Risiko? Wie der „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, wollen Anlegeranwälte neue Indizien dafür entdeckt haben, dass das Geldhaus seit September 2008 bei der Postbank „quasi durchregiert“ hat. Stimmt das, wäre schon damals ein Übernahmeangebot fällig gewesen, obwohl die Deutsche Bank zunächst nur 29,75 Prozent der Anteile gekauft hatte. Für Ex-Postbank-Aktionäre wäre das attraktiver, denn kurz danach eskalierte die Finanzkrise und schickte auch die Postbank-Aktie auf Talfahrt. Ein zentrales Argument der Anwälte: Deutsche-Bank-Manager Werner Steinmüller (seit 2016 auch Vorstandsmitglied) habe als Vorsitzender des Kreditausschusses im Postbank-Aufsichtsrat maßgeblichen Einfluss auf Kreditvergaben genommen, nachdem der Ausschuss zuvor „stets den Empfehlungen der Fachabteilung“ gefolgt war. Sicher: Dass der Ausschuss kein „Abnick-Gremium“ mehr war, ist erfreulich. Allerdings können gravierende Interessenkonflikte entstehen, wenn Vertreter von Großaktionären über zentrale operative Entscheidungen befinden – vor allem, wenn der Aktionär auch Konkurrent und Übernahmeinteressent ist. Für den Vorsitz des Kreditausschusses, finden wir, sind unabhängige Aufsichtsräte in ganz besonderem Maße wünschenswert.

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