Der Münchener Halbleiterhersteller Infineon hat eine neue Aufsichtsrätin: Auf der Hauptversammlung Ende letzter Woche haben die Aktionäre Géraldine Picaud ins Gremium gewählt. Allerdings stimmten 11,25 Prozent gegen die Finanzchefin des Pariser Brillenglas-Produzenten Essilor – ein überraschend hoher Anteil. Zuvor hatte ein Kleinaktionär beantragt, stattdessen ihn selbst zu wählen: Sonst, so seine Argumentation, fehle es im Aufsichtsrat nach dem Abgang der Professorin Doris Schmitt-Landsiedel (TU München) an technischer Kompetenz. Auch, wenn er damit nicht durchdrang: Den vergleichsweise hohen Anteil von Gegenstimmen darf er als Achtungserfolg werten. Überhaupt finden wir es erfreulich, dass immer öfter offen über die Qualifikation von Aufsichtsräten diskutiert wird. Und Infineon war erst der Anfang: In der diesjährigen HV-Saison werden wir zahlreiche weitere Fälle erleben. Aufsichtsräten, die sich wappnen oder Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen wollen, können sich ihre Kompetenz zertifizieren lassen.