Wenn es stimmt, was die FAZ berichtet, hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt den Aufsichtsrat der Deutschen Bahn vor den Kopf gestoßen und zugleich ein mehr als fragwürdiges Corporate-Governance-Verständnis offenbart: Wie es heißt, haben die Gremienmitglieder aus den Medien erfahren, dass Finanzchef Richard Lutz neuer Vorstandsvorsitzender wird. Offiziell hat Dobrindt Lutz erst am Wochenende vorgeschlagen. Da fragen wir uns: Wozu überhaupt ein Aufsichtsrat, wenn der Eigentümer zentrale Entscheidungen hinter verschlossenen Türen fällt? Und warum nehmen es die Gremienmitglieder hin, dass Dobrindt sie vor den Kopf stößt und den Super-Aufsichtsrat markiert? Wir meinen: Dobrindts Alleingang ist mehr als eine Stilllosigkeit. Er offenbart ein viel größeres Problem: Ein übermächtiger Eigentümer verwechselt Polit-Erfahrung mit Überwachungskompetenz – und trifft auf einen Aufsichtsrat, der ihm offenbar nicht genug entgegenzusetzen hat.