Governance-Reformer: Unsere aktuellen Top-10-Aufsichtsräte

Wir haben es letzte Woche bereits betont: Statt neue regulatorische Vorgaben in Sachen Managergehälter und Frauenquote zu ersinnen, sollte die Politik vorerst lieber den Aufsichtsräten vertrauen. Denn vielerorts haben sie wichtige Reformen angeschoben – und arbeiten weiter mit Hochdruck an professionellen Governance-Systemen. Unsere aktuellen Favoriten im Schnelldurchlauf:

Borussia Dortmund. Unsere Fußball-Bundesligisten brauchen keine Investoren, sondern professionelle Aufsichtsräte. Und in Sachen Sports Governance steht der Deutsche Meister schon fest: Der börsennotierte BVB schneidet laut einer aktuellen IVOX-Studie am besten ab – vor allem wegen der Expertise der Aufsichtsräte.

Bosch: Das Gremium um Franz Fehrenbach hat früh für ein transparentes Vergütungssystem für Vorstände gesorgt und individuelle Boni abgeschafft. Prämien orientieren sich nun einzig am Erfolg des Unternehmens. So fördert Bosch Teamgeist statt Egoismus.

Covestro. Für Aufsichtsräte gibt es kein größeres Lob, als wenn Vorstände ihnen attestieren, unangenehme Fragen zu stellen. Insofern darf sich das Gremium um Richard Pott, Christine Bortenlänger und Rolf Nonnenmacher über entsprechende Aussagen von Vorstandschef Patrick Thomas auf dem 10. Deutschen Aufsichtsratstag freuen.

Deutsche Bank. Unter Paul Achleitner hat der Aufsichtsrat sein Kompetenzprofil verbessert; bereits 2016 lobte Ingo Speich von Union Investment die „eingeleiteten Veränderungen“. Auch aktuelle Personalien sehen wir positiv, etwa die Berufung des Google-Sicherheitschefs Gerhard Eschelbeck. Da passt es ins Bild, dass das Gremium das Fixgehalt von John Cryan gekappt hat – und dass die Vorstände für 2016 keine Boni kassieren.

Deutsche Börse. Zu den Aufsichtsräten, die früh auf Diversity gesetzt haben, gehört das Gremium der Deutschen Börse. Die Frauenquote liegt bei mehr als 40 Prozent – und das geht keineswegs zu Lasten der Kompetenz, wie unter anderem der Einzug von Ex-Finanzaufseherin Monica Maechler (2012) und von Ann-Kristin Achleitner (2016) zeigten.

Henkel. Wohl selten verlief ein Wechsel derart reibungslos wie der von Kaspar Rorstedt zum neuen Vorstandschef Hans van Bylen. Das ist ein Indiz für eine professionelle Nachfolgeplanung im Henkel-Aufsichtsrat, der von Simone Bagel-Trah geleitet wird.

Heraeus. Stellvertretend für die Familienunternehmen, die Fortschritte in Sachen „Family Governance“ machen, möchten wir den Heraeus-Konzern nennen. Das Hanauer Unternehmen will auf Basis des Familienkodexes einen externen Profi an die Spitze des gut aufgestellten Aufsichtsrats berufen.

Metro: Es war ebenfalls ein starkes Signal für die Unabhängigkeit von Aufsichtsräten: Großaktionär Franz Markus Haniel hat sein Mandat als Aufsichtsratschef zu Gunsten eines „unabhängigen, externen“ Kandidaten niedergelegt. Auch darüber hinaus macht das Gremium Fortschritte – etwa in Sachen Diversity.

Stada. Dass aktive Investoren positiven Einfluss haben können, zeigt sich beim Pharmakonzern Stada. Dort sind kompetente Mitglieder in den Aufsichtsrat eingezogen, der daraufhin jüngst ungewohnte Agilität bewies – durch Einrichtung eines Ad-hoc-Ausschusses.

Volkswagen. Ja, es liegt noch vieles im Argen beim VW-Konzern und seinem Aufsichtsrat. Aber es gibt auch Fortschritte zu vermelden; allen voran die Tatsache, dass die Gremienmitglieder keine Boni mehr kassieren. Die Aufsichtsratsvergütungen entsprechen damit endlich Governance-Standards.

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