Daimler-Spitze lässt Aktionäre bei drängenden Fragen im Dunkeln

Die Spitze des Daimler-Konzerns ist den Aktionären auf der Hauptversammlung bei drängenden Problemen des Unternehmens klare Antworten schuldig geblieben. Sowohl bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Stuttgart im Diesel-Skandal als auch bei Fragen zum Lkw-Kartell verwiesen Vorstand und Aufsichtsrat auf laufende Ermittlungen. Das Management verteidigte sich außerdem gegen die Angriffe aus den Reihen der Aktionäre, dass die Dividende trotz Rekordgewinns nicht erhöht wurde.

Wegen der Beteiligung am Lkw-Kartell seien bei Daimler zwar Schadenersatzansprüche einzelne Kunden eingegangen, die geprüft würden, doch darüber hinaus könne sich Daimler dazu nicht äußern, sagte Finanzvorstand Bodo Uebber in Berlin.

Aufsichtsratschef Manfred Bischoff wies die Forderung von Aktionärsschützern zurück, gegen verantwortliche Manager Schadensersatzansprüche zu stellen. „Der Aufsichtsrat hat nach sorgfältiger Prüfung entschieden, gegenwärtig von der Geltendmachung von Schadensersatzansprüche abzusehen“, erklärte Bischoff. Vorher habe das Gremium umfassenden juristischen Rat eingeholt und behalte sich weitere Schritte vor. Wegen unerlaubter Preisabsprachen mit anderen Lkw-Herstellern musste Daimler 1 Milliarde Euro Strafe zahlen.

Nichts Neues zu Diesel-Ermittlungen

Zu den Ermittlungen wegen des Diesel-Skandals hielt sich der Autokonzern ebenfalls bedeckt. „Selbstverständlich kooperieren wir vollumfänglich mit allen Behörden“, meinte der Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche. Er verwies noch einmal auf die Untersuchungen von Kraftfahrtbundesamt und Bundesverkehrsministerium, bei denen keine Verstöße bei Daimler-Dieselfahrzeugen festgestellt wurden. CFO Uebber wollte aus prozesstaktischen Gründen keine Angaben dazu machen, ob und wie viel Geld wegen eventueller Risiken dafür zurückgestellt werden muss.

Uebber verteidigte auch die Nicht-Anhebung der Dividende. Daimler liege bei der Ausschüttung an der Spitze der Dax-Unternehmen und verfolge eine nachhaltige Dividendenpolitik. Die Stuttgarter wollen ihren Anteilseignern wie im Jahr zuvor 3,25 Euro je Aktie überweisen, was ein Teil der Aktionäre für zu mickrig hält.

Die geplante Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge um 20 Prozent stieß bei den Aktionären auf Unverständnis. Die Ankündigung von Chefkontrolleur Bischoff sorgte für Raunen im Saal.

DCGIBoardNews

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