"Kaufen Sie nichts, was Sie nicht kennen"

Anleger der Firma Opalenburg fühlen sich über den Tisch gezogen. Das Unternehmen verspricht, das Geld der Anleger in lukrative Immobilien zu stecken. Verbraucherschützer warnen allerdings, es sei unwahrscheinlich, dass der Fonds Erträge erwirtschafte. Ein ehemaliger Aufsichtsrat der Firma sitzt nun für die CSU im Bundestag – und kümmert sich dort unter anderem um Verbraucherrecht.

Volker Ullrich steht am Pult im Bundestag. Es geht in seiner Rede um komplizierte Finanzprodukte und um die Frage, wie der Staat diese regulieren sollte. Ullrich zitiert den bekannten Investor Warren Buffett: „Kaufen Sie nichts, was Sie nicht kennen!“ Dieser Ratschlag kommt zu spät für manche Anleger, die Finanzprodukte der Firma Opalenburg gekauft haben. Verbraucherschützer sagen: Sie hätten unterm Strich kaum Chancen, mit Gewinn aus der Sache rauszukommen. Vertrieben wurden die Produkte außerdem auch mit offenbar dubiosen Methoden. Und im Aufsichtsrat der Vermögensverwaltung saß lange Jahre ausgerechnet der Mann, der anschließend für die CSU in den Bundestag einzog: Volker Ullrich. Er sitzt nun im Ausschuss für Verbraucherrecht, der genau solche Firmen regulieren soll. Diese Verbindung hat nun das ZDF aufgedeckt.

Es geht in dieser Geschichte um das, was Fachleute den grauen Kapitalmarkt nennen. Hier werden nicht brave Sparbücher verkauft, sondern Finanzprodukte, die nur mit einem Beipackzettel verkauft werden dürfen. Die Chancen auf Rendite sind größer, das ist zumindest das Versprechen. Sicher sind nur die Risiken.

Bei Opalenburg ist der Beipackzettel 69 DIN-A4-Seiten lang. Der Fonds heißt „Safe Invest 2. KG“ und verspricht, das Geld der Anleger in lukrative Immobilien zu stecken. Der Prospekt schwärmt von „hochrentablen Investitionsmöglichkeiten“ und zeigt auf dem Cover die Stadt München. Der Immobilienmarkt der Stadt ist bekannt für seine verrückten Preise. Wer Geld in den Fonds gesteckt hat und nun in den Geschäftsbericht schaut, könnte aber enttäuscht sein. Zum Stand von 2015 war nur ein kleiner Teil des Geldes in München investiert, nicht einmal 20 Prozent. Den höchsten Verkehrswert im Portfolio haben Immobilien in Essen in Nordrhein-Westfalen. Dort sind die Mieten viel niedriger als in München. „Das geht in den Bereich der Irreführung“, sagt Wolf Brandes von der Verbraucherzentrale Hessen.

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