Vorstandschefs: Wenn Erfolg blendet – und der Aufsichtsrat nichts merkt

Hinterher ist man immer schlauer. Das gilt momentan besonders für die Board-Mitglieder der US-Bank Wells Fargo, die den Skandal um Scheinkonten von einer Kanzlei aufarbeiten ließen. Der 113-seitige Bericht listet gleich mehrere Schwächen des früheren Bank-Chefs auf. John Stumpf sei „von seiner Persönlichkeit her ein optimistischer Manager“, der sich geweigert habe, Mängel des Geschäftsmodells zuzugeben. „Nach Jahrzehnten des Erfolgs“ sei er von den Strukturen „überzeugt“ gewesen. Die Analyse, die auf detaillierten Mitarbeitergesprächen beruht, wirft auch ein schlechtes Licht auf das Board, dessen Job es gewesen wäre, Stumpfs Schwächen zu erkennen. Im deutschen Two-Tier-System wäre das zuvorderst die Aufgabe der Aufsichtsratschefs, die engen Kontakt zu den Vorstandschefs haben. Sie können aus dem Wells-Fargo-Skandal den Rückschluss ziehen, dass auch und gerade langjährig erfolgreiche Manager kritisch hinterfragt werden müssen. Erfolg ist eben auch ein Blender.

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