Ex-Allianz-Chef soll den erratischen Nachfolger lenken

Bei dem Münchner Versicherungskonzern macht sich eine vorrevolutionäre Stimmung gegen Oliver Bäte breit. Die Hoffnungen der Oppositionellen ruhen auf dem künftigen Aufsichtsratschef Diekmann.

Am 3. Mai ist es endlich so weit: Michael Diekmann (62), der frühere Chef der Allianz, zieht nach der vorgeschriebenen zweijährigen Karenzzeit in den Aufsichtsrat der größten europäischen Versicherung (Umsatz: 122 Mrd. Euro) ein, wo er natürlich den Vorsitz übernehmen soll. Zu Diekmanns übergeordneten Aufgaben gehört die Bändigung seines Nachfolgers Oliver Bäte (52), mit dem immer wieder die Pferde durchgehen und der mit seinen Irrlichtereien und Kapriolen im Hause für Unruhe sorgt.

Immer mehr Allianz-Manager fiebern der Rückkehr Diekmanns entgegen wie Gläubige der Wiederkunft des Herrn. Spekulationen gehen dahin, dass Diekmann nicht mit allem zufrieden sei, was der von ihm einst protegierte Oliver Bäte in den vergangenen zwei Jahren angestellt und heraufbeschworen habe.

Einmal, zur Hauptversammlung, hatte Bäte rote Nike-Turnschuhe angezogen, ein anderes Mal dem Youtube-Kanal „Jung & Naiv“ ein jung und naiv klingendes Interview im Duz-Ton gegeben. Weil: das Digitalzeitalter ja eine unzeremonielle Unverkrampftheit erfordere, gerade von den strengen Herren der kreuzsteifen Assekuranz. Allein, man spürt immer stärker die Mängel seiner Methode.

Um die Coolness-Werte seiner Leute zu erhöhen und ihre Blockierungen zu lösen, hat Bäte im März die aus ehemaligen US-Kampfpiloten zusammengestellte Coaching-Truppe Afterburner eingeladen: Sie sollten seinen 220 Führungs- und Beharrungskräften mal zeigen, wie echtes Decision Making geht.

Kraft der emotionalen Updrifts, die die Kampfanzüge und Kommandotöne auslösten, sollen die Bäte-Boys lockerer, ja fast Start-up-mäßig auf die Kundschaft zugehen. Wenn der Allianz-Mann dann den Prolog aus „Top Gun“ spricht, wird allen gleich ganz warm ums Herz. Kurz darauf soll Diekmann freilich mit seinem Nachfolger Fraktur geredet, ihn zumindest um Aufschluss und Erklärung für dieses bizarre Manöver gebeten haben, hört man aus dem Aufsichtsrat. Dass eine Rüge erteilt, ja überhaupt ein Gespräch der beiden zu diesem Thema geführt worden sei, stellen die Pressesprecher der Allianz indes entschieden in Abrede.

Selten so schlechte Presse für die Allianz

Richtig ist: Selten hatte die Allianz eine so schlechte Presse wie in den vergangenen zwei Jahren unter Bäte. Von einer „Meuterei in München“ will das „Manager Magazin“ erfahren haben. Ganz verkehrt ist diese Mutmaßung nicht.

Mal sorgt der „Verunsicherer“ (so „Bilanz” im April 2016) für Ärger, weil er den Firmenjet, eine „Dassault Falcon 2000 LX“, nach „Welt“-Recherchen sowohl für Kurzflüge von München nach Frankfurt nutzt als auch für Zwecke, von denen man nicht immer sagen kann, ob sie rein beruflicher oder halb privater Natur sind. Dann wieder meldet Bäte sich zu Wort mit sonderbaren Bemerkungen, die ihn als besonders lässig ausweisen sollen: „Ich bin der Bundeskanzler der Allianz.“

Von anderem Kaliber ist dagegen Michael Diekmann: Statt starker Sprüche lieferte er starke Leistungen. Hat er sich in seinem Günstling getäuscht?

Über Stilfragen könnte der künftige Wachtmeister hinwegsehen, wenn sich nicht ein viel größeres Ärgernis entsponnen hätte: Bäte liegt, wie mehrere Quellen übereinstimmend berichten, in einem Dauerstreit mit den Managern seines wichtigsten Betriebs, der Allianz Deutschland AG (Umsatz: 32,4 Mrd. Euro).

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