Massenrücktritte in Aufsichtsrat und Vorstand: Führungsnotstand beim Pfälzer Milliardenkonzern KSB

Eigentlich könnte Thomas Seeberg (75) seinen Lebensabend genießen. Ende 2005 schied er bei der damaligen Siemens-Tochter Osram als tadellos beleumundeter Finanzchef altersbedingt aus, in seinem Wohnort Icking am Starnberger See geht es idyllisch zu.

Doch der Mann hat im Retiro mehr Ärger, als ihm lieb sein kann, und der Grund dafür heißt Klaus Kühborth (60). Beide waren lange Kollegen im Aufsichtsrat der börsennotierten KSB AG aus dem pfälzischen Frankenthal, einem der weltgrößten Pumpenhersteller – Seeberg als Vorsitzender, Küborth als Vertreter der Gründerfamilie. Nun ist Seeberg zurückgetreten. Er will nicht dafür verantwortlich sein, dass ein lange Zeit herausragender deutscher Mittelständler verelendet.

Den Anfang nimmt der Krach beim machtversessenen Patriarchen Kühborth. Dessen Familie hat ihre Anteile von 80 Prozent der Stammaktien in eine Stiftung eingebracht, kontrolliert KSB aber weiter über die zwischengeschaltete und von Kühborth geführte Klein Pumpen GmbH – zum Schaden des Unternehmens, wie Kühborths Gegner im Rat glauben.

Sie werfen ihm vor, überfordert und beratungsresistent zu sein und KSB ins Abseits zu treiben. Schwächelnde Absatzmärkte und technische Probleme setzen der Firma zu, die mit 15.572 Mitarbeitern zuletzt 2,2 Milliarden Euro umsetzte. Orderbuch, Umsatz und Gewinn schrumpfen.

Ein Sparprogramm, in das Kürborth erst nach langem Widerstand eingewilligt hat, soll die Kosten jährlich um 200 Millionen Euro drücken. Gegen weitere Maßnahmen sperrt er sich, die um ihre Jobs bangenden Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat halten zu ihm. Und die Belegschaft schaut schockstarr auf das Drama rund um „die Villa“, wie der Stammsitz der Kühborth-Sippe ehrfurchtsvoll genannt wird.

Dort geht es drunter und drüber. Im Februar traten vier Vertreter der Kapitalseite im Rat aus Protest gegen Kühborth zurück, darunter Seeberg. „Die Beherrschung der KSB durch (…) die Familie Kühborth hat sich für das Unternehmen als nachteilig erwiesen“, schreibt Seeberg in seinem Abschiedsbrief an die Ratskollegen, der manager-magazin.de vorliegt. Bereits 2015 hatte sich der renommierte Wirtschaftsanwalt Michael Hoffmann-Becking (74) von der Kanzlei Hengeler Mueller mit Kühborth überworfen und aus Frust über dessen Starrsinn den Rat verlassen.

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