Nachfolgeplanung: Wenn Aufsichtsräte Charakter-Gutachten bestellen

Beim Energieversorger EWE geht’s momentan drunter und drüber. Nach dem Rauswurf von Vorstandschef Matthias Brückmann hat der Aufsichtsrat noch immer keinen Nachfolger ernannt; an internen Kandidaten gibt es erhebliche Zweifel (die GermanBoardNews berichteten). Wie nun bekannt wurde, haben die Kontrolleure deshalb KPMG beauftragt, die „persönliche Integrität“ der Kandidaten zu prüfen. Das hat uns – gelinde gesagt – überrascht. Ist es nicht eine der Kern-Aufgaben des Aufsichtsrats, sich selbst ein Bild von potentiellen Vorständen zu machen? Klar: Es schadet nie, eine zweite Meinung einzuholen. Aber wer dafür externe Compliance-Experten engagiert, darf sich nicht über den Verdacht wundern, dass es ihm in erster Linie um Enthaftung geht. Und so verwundert es ebensowenig, dass KPMG in einem Zwischenbericht betont, dem Aufsichtsrat die Beurteilung der Integrität nicht abnehmen zu können. Wir hoffen jedenfalls, dass die zuständigen Gremienmitglieder sich auch selbst umgehört haben. So wie es sich im Rahmen einer soliden Nachfolgeplanung gehört.

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