Investoren & Kodex: Aufsichtsratschefs sollen reden – aber worüber eigentlich?

Auf dem Deutschen Aufsichtsratstag im November kritisierten mehrere Teilnehmer – allen voran Alexander Dibelius von CVC Capital Partners – die neue Empfehlung im Corporate-Governance-Kodex, der zufolge Aufsichtsratschefs mit Investoren über „aufsichtsratsspezifische Themen“ reden sollen. Aber mit wem genau – und mit wem nicht? Und vor allem: Was sind „aufsichtsratsspezifische Themen“? Jetzt zeigt der Fall Linde, wie konfliktträchtig gerade der zweite Aspekt ist. Denn offenbar hätten sich Investoren gewünscht, mit Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle über die Fusion mit Praxair zu sprechen – obwohl das zuallererst ein Thema für den Vorstand wäre. Reitzle scheine aber „die treibende Kraft hinter der Fusion zu sein“ und agiere „hochgradig intransparent“, kritisierte Ingo Speich von Union Investment. Die Debatte zeigt: Wer den schwammigen Kodex-Begriff „aufsichtsratsspezifisch“ als hinreichend definiert verteidigte, hat die Sache falsch eingeschätzt. Die Empfehlung muss deshalb dringend auf den Prüfstand – am besten im Rahmen einer umfassenden Kodex-Reform auf Basis eines internationalen Benchmarkings.

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