VW-Hauptversammlung: Dicke Luft trotz guter Zahlen

VW steht glänzend da, Absatzzahlen und Gewinn stiegen zuletzt deutlich. Dennoch sind viele Anleger unzufrieden mit der Aufarbeitung des Abgasskandals. Dazu kommen Sammelklagen gegen den Konzern nach amerikanischem Vorbild. Von Jörg Ihßen.

Gut ein Jahr nach der letzten Hauptversammlung – die von Wut und Redezeitbegrenzung geprägt war – verläuft das Aktionärstreffen in diesem Jahr in ruhigerem Fahrwasser. Es gebe zwar „die üblichen Unzufriedenen“, wie Konzernsprecher vor der Hauptversammlung erklärten. Doch jetzt wolle man wieder mit positiven Geschichten punkten. Dazu gehören zunächst die guten, aber längst bekannten Bilanzzahlen des Konzerns. Mehr als zehn Millionen Autos wurden 2016 weltweit verkauft – ein Plus von vier Prozent. Auch das erste Quartal lief sehr gut.

Aktionärsanwälte beunruhigt

Doch das beruhigt viele Aktionäre und vor allem die sie vertretenden Kanzleien kaum. Rechtsanwalt Andreas Tilp zum Beispiel vertritt Aktionäre, die sich vom damaligen Vorstand und dessen Aufsichtsräten betrogen fühlen. „Ein Jahrmarkt“ , sei diese Hauptversammlung für ihn. Der VW-Vorstand mache zwar einen guten Job, allerdings sei kaum an Akten oder neue Hinweise zum Abgasskandal zu kommen. Für den Musterprozess, der in acht Monaten vor dem Oberlandesgericht Celle beginnt, sieht er dennoch gute Chancen.

Dass der VW-Konzern den Abgasskandal in Deutschland aussitzen will, werfen die Anwälte von Baum, Reiter und Kollegen den Wolfsburgern vor. Sie vertreten Kunden, die Schadensersatz oder Rückkauf ihrer manipulierten Diesel fordern – so wie in den USA. Der Tatbestand der vorsätzlichen Täuschung sei aus ihrer Sicht erfüllt. Auch die Berliner Kanzlei Gansel sammelt unzufriedene Kunden, nach eigenen Angaben rund 20.000 allein in Deutschland.

Ermittlungsbericht unter Verschluss

Und wie reagieren VW-Vorstandschef Matthias Müller und der Aufsichtsrat? Sie versprechen weiter Transparenz und Aufklärung. Man wolle dafür sorgen, dass so ein Betrug nicht wieder vorkommt. Aber: Den Ermittlungsbericht von Jones Day bekommt weiter niemand zu sehen.

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