Deutsche Börse: 77 Millionen Euro für gescheiterte Fusion

Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter ist in der Defensive. Auf der Hauptversammlung verteidigt er sich trotz eines gescheiterten Fusionsversuchs gegen seine Kritiker. Sein Schicksal liegt nicht allein in seiner Hand.

Statt mit Applaus wird Carsten Kengeter mit demonstrativem Schweigen begrüßt, als er in der Höchster Jahrhunderthalle ans Mikrofon tritt. Spätestens an dieser Stelle dürfte dem Vorstandschef der Deutschen Börse klar werden, dass die Hauptversammlung kein Vergnügen für ihn wird. Seine ersten beiden Jahre bei der Deutschen Börse hätte der hünenhafte Manager sich sicher anders ausgemalt: „Ich bin vor zwei Jahren mit dem Ziel angetreten, die Deutsche Börse auf einen dauerhaften Wachstumspfad zu führen“, sagt Kengeter.

Doch statt mit Wachstum sorgte die Börse vor allem mit der verpfuschten Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) für Schlagzeilen. Der Deal scheiterte am Brexit und handwerklichen Fehlern. Zu allem Überfluss lastet auch auf Kengeter eine Hypothek: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen dem Verdacht des Insiderhandels, weil er sich zwei Monate vor Bekanntwerden des Deals mit Aktien des Konzerns eingedeckt hatte.

Auf der Hauptversammlung in der Frankfurter Jahrhunderthalle verteidigt Kengeter sein Vorgehen – und stimmt zugleich versöhnliche Töne an. Eine Börse übe auch hoheitliche Aufgaben aus. „Diese Aufgaben kann sie nur mit der Gesellschaft erfüllen und nicht gegen sie.“

Die Worte sind eine Friedenserklärung an die Frankfurter Finanzwelt: Dass die Börse mitten im Brexit-Gewitter mit der LSE fusionieren wollte, kam bei den Granden der Frankfurter Bankenszene nicht sonderlich gut an – vor allem deshalb, weil das Hauptquartier der europäischen Superbörse in London hätte liegen sollen.

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