Angesichts ihrer wachsenden Konfliktfreudigkeit wächst auch die Kritik von Vorständen und Aufsichtsräten an den mächtigen Aktionärsberatern ISS und Glass Lewis. Der Hauptvorwurf: Sie würden auf Basis ihrer Richtlinien Pauschalurteile fällen, ohne Rücksicht auf Besonderheiten von Branchen, Märkten und Governance-Systeme zu nehmen („one-size-fits-all-governance“). Gerade bei deutschen Unternehmen würden ihre angelsächsisch geprägten Standards nicht immer passen. Wer sich die Reports der Aktionärsberater zu einzelnen Dax-Unternehmen anschaut, kommt jedoch zu dem Schluss: Sie gehen sehr wohl detailliert auf die Besonderheiten ein (auch wenn man nicht mit allen Empfehlungen übereinstimmt). Um die Sensibilität von ISS & Co. zu schärfen, ist es dennoch richtig, dass die EU-Aktionärsrechterichtlinie sie zu mehr Transparenz verpflichtet: Sie müssen künftig detailliert erläutern, inwiefern sie bei ihren Empfehlungen Markt-, Branchen- und Unternehmensspezifika berücksichtigen.