Es dürfte für viele Aufsichtsräte ein Horrorszenario sein: Tonbandmitschnitte von Aufsichtsratssitzungen gelangen an die Öffentlichkeit – und werden von Journalisten genüsslich ausgeschlachtet. Genau das erlebten gerade die Board-Direktoren von Uber (mit schwerwiegenden Konsequenzen) und die einstigen Mitglieder des Ferrostaal-Aufsichtsrats um den renommierten Wirtschaftsanwalt Georg Thoma: Das Recherche-Portal Correctiv zitierte ausführlich aus Aufsichtsratssitzungen im Jahr 2009, als der Ferrostaal-Korruptionsskandal gerade eskalierte. Wie die Journalisten an die Tonbänder gerieten, bleibt offen. Klar ist aber: Bei vielen Aufsichtsräten dürften jetzt die Alarmglocken schrillen, weil Aufnahmen nicht unüblich sind (als Basis fürs Protokoll). Diese Praxis sollte unseres Erachtens spätestens jetzt überdacht werden. Und zwar nicht, weil Aufsichtsräte irgendetwas zu verbergen hätten. Sondern weil die Angst vor Veröffentlichungen – auch wenn sie nur im Hinterkopf präsent ist – offene und ehrliche Diskussionen im Gremium hemmt. Und das wäre fatal.