Governance-Kodex: Wie Ulrich Lehner seinem Unmut Luft machte

Als das Gespräch auf den Deutschen Corporate Governance Kodex kam, verfinsterte sich die Miene von Ulrich Lehner sichtlich. Der joviale Rheinländer, das spürten die Zuhörer auf dem 11. DART im Düsseldorfer Industrieclub sofort, war bei diesem Thema nicht zu freundlicher Plauderei aufgelegt. Und tatsächlich übte der Aufsichtsratschef der Deutschen Telekom und von ThyssenKrupp deutliche Kritik an der Entwicklung und dem aktuellen Zuschnitt des Regelwerks – insbesondere an „unklaren Begrifflichkeiten“ und kleinteiligen Vorgaben. Besonders verärgert zeigte er sich über Ziffer 5.4.1, die Aufsichtsräten unter anderem empfiehlt, sich bei neuen Kandidaten zu vergewissern, dass sie „den zu erwartenden Zeitaufwand“ aufbringen können. „Als ob Aufsichtsräte darauf nicht von selber kämen“, schimpfte Lehner. Wir haben ebenfalls jüngst moniert, dass der Kodex überfrachtet ist – und deshalb die Ankündigung von Rolf Nonnenmacher begrüßt, ihn umfassend zu überarbeiten. Denn klar ist: Die Vielzahl von Empfehlungen sorgt bestenfalls für Verärgerung (wie bei Ulrich Lehner) – und schlimmstenfalls für einen Governance-Formalismus bzw. Checklisten-Habitus. Nach dem Motto: abhaken statt nachdenken.

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