Leadership: Wie unbewusste Denkmuster RWE an den Abgrund führten

„Ein klarer Fall von Überschätzung der eigenen Fähigkeiten“: Wohl selten hat ein Vorstand seine Vorgänger derart schonungslos kritisiert wie der frühere RWE- und heutige Innogy-Finanzvorstand Bernhard Günther mit Blick auf milliardenschwere Investitionen in konventionelle Kraftwerke kurz vor der Energiewende. Es geht ihm aber nichts ums Nachtreten, sondern um die Zukunft. „Wir wollten verstehen, was genau schiefgelaufen war“, erklärte er dem „Handelsblatt“ (Print-Ausgabe). Deshalb habe man die Fehlentscheidungen aufgearbeitet – und unbewusste mentale Denkmuster der früheren Top-Manager um Harry Roels als wichtige Ursache identifiziert.

„Mini-Me“- und „Champion“-Effekte bei RWE

Demnach hat der „Mini-Me“-Effekt dazu geführt, dass Männer in den Vorstand berufen wurden, die dem Chef ähnelten. Hinzu kam laut Günther ein Champion-Effekt – also die Neigung, Argumente vor allem auf Basis der Person zu beurteilen, von der sie kommen. In der Summe führte dies dazu, dass wichtige Trends ignoriert und „die Bereitschaft zur Energiewende total unterschätzt“ wurde. Wir meinen: Die Analyse zeigt, dass sich Aufsichtsräte und Vorstände mit unbewussten Einflüssen befassen und zudem Strukturen schaffen sollten, die deren Einfluss minimieren. BWL ist eben auch Psychologie.

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