Das mit Vorschusslorbeeren gestartete Börsensegment Scale ist in die Schlagzeilen geraten. Nach heftigen Kurskapriolen beim Hamburger FinTech-Unternehmen Naga, das am 10. Juli an die Börse gegangen war, hat die BaFin routinemäßige Ermittlungen eingeleitet. Klar ist für uns schon jetzt: Ein Unternehmen, das laut Handelsblatt im zweiten Halbjahr 2016 „kaum zwei Millionen Euro Umsatz“ machte und dabei 3,9 Millionen Verlust einfuhr, ist kein Aushängeschild für Scale – auch wenn die Deutsche Börse neben Mittelständlern ausdrücklich auch auf „Wachstumsunternehmen“ abzielt.

Scale und die fehlenden Governance-Standards

Rächt sich jetzt, dass die Börse keine Corporate-Governance-Standards zur Bedingung für ein Scale-Listing gemacht hat, wie wir und VARD es vorgeschlagen hatten (und wie es internationalen Gepflogenheiten entspricht)? Die Transparenz bei Naga lässt jedenfalls zu wünschen übrig – Informationen zu Werdegang und Kompetenzen der fünf Aufsichtsräte zum Beispiel müssen Interessierte auf der Website lange suchen und erstmal den Wertpapier-Prospekt studieren. Womöglich wird Naga ja der Fall, der die Börse zum Umdenken bringt? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.