„Gefährliche Mischung aus Unwissenheit und Zurückhaltung“

Seit den großangelegten Cyberattacken auf Unternehmen und Behörden stellen IT-Experten ein Umdenken in Wirtschaft und Politik fest. Dennoch gebe es immer noch gefährliche Schwachstellen, sagt ein Experte.

Es war wohl die größte Cyberattacke der Geschichte, als der Trojaner WannaCry im Mai Zigtausende Computer rund um die Welt lahmlegte. Beim Automobilkonzern Renault standen die Bänder still, bei der Deutschen Bahn funktionierten die Anzeigetafeln nicht mehr. Doch der Angriff hätte vermieden werden können, meint der IT-Experte Rainer Baumgart. Der promovierte Physiker ist seit 2001 Chef von Secunet‚ nach eigenen Angaben Deutschlands Marktführer für IT-Sicherheit.

WELT AM SONNTAG: Herr Baumgart, Geheimdiensten und Cyberkriminellen gelingt es immer wieder, in Firmennetze einzudringen. Woran hapert es?

Rainer Baumgart: Es ist eine gefährliche Mischung aus Unwissenheit und Investitionszurückhaltung. Das Thema ist zwar bekannt, aber man packt es häufig zu spät an. Seit der Verabschiedung des IT-Sicherheitsgesetzes stellen wir zwar zumindest bei großen Unternehmen ein Umdenken fest und sehen eine zunehmende Sensibilisierung. In der Breite der Industrie ist sie aber nicht vorhanden, vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen gibt es viel Nachholbedarf.

WELT AM SONNTAG: Wie steht es denn um 30 Dax-Unternehmen?

Baumgart: Im Großen und Ganzen verfügen diese Firmen über eine erstklassige IT-Sicherheitstechnik. Die im Dax notierten Gesellschaften geben rund 1,3 Milliarden Euro aus, während sich der Gesamtmarkt hierzulande auf rund vier Milliarden Euro beläuft. Sie haben alle notwendigen Maßnahmen getroffen. Manche setzen allein in diesem Bereich mehr als 150 Mitarbeiter ein.

 

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