Nachfolgeplanung: Haben Sie einen Narzissten befördert?

Was viele von uns bereits ahnten, ist auch wissenschaftlich untermauert: „Eine krankhafte Persönlichkeitsstruktur kommt in Chefetagen häufig vor“, sagte der Psychotherapeut Theodor Itten jüngst der WirtschaftsWoche. Besonders weit verbreitet, so der Autor des Buches „Größenwahn – Ursachen und Folgen der Selbstüberschätzung“, sei der Narzissmus. Kein Wunder: Narzissten sind selbstbewusst und oft charismatisch – Eigenschaften, die für die Karriere förderlich sind. Aber nicht für die Unternehmensführung, weil Narzissten ihre Fähigkeiten über- und die Herausforderungen unterschätzen.

Leadership: Schaffen Sie ein antinarzisstisches Umfeld!

Das Problem bei der Nachfolgeplanung: Für Aufsichtsräte ist schwer erkennbar, ob ein Kandidat mutig und zuversichtlich oder schlicht „overconfident“ ist. Zudem entfalten sich narzisstische Neigungen oft erst an der Firmenspitze. Lord David Owen, ehemaliger britischer Außenminister und Gründer des Daedalus Trust, der Hybris in Unternehmen und Politik erforscht, rät deshalb, ein anti-narzisstisches Umfeld zu schaffen – und Menschen einzustellen, die sich trauen zu widersprechen. Zudem gilt es, Widerspruch zu „institutionalisieren“. Wie zum Beispiel bei RWE, wo vor Entscheidungen ein Advocatus Diaboli aus der zweiten Führungsebene ernannt wird, der leidenschaftlich dagegen argumentieren soll.