Eklat auf Hauptversammlung: Stada-Aufsichtsrat entlastet Ex-Chefs nicht

Nach der Übernahme durch Finanzinvestoren gehen die Querelen bei Stada weiter. Auf dem Aktionärstreffen des Pharmakonzerns wollte der Aufsichtsrat, die Ex-Chefs nicht entlasten lassen. Die Aktionäre votierten dagegen für eine Vertagung der Entscheidung.

Mit einem überraschenden Eklat geht der neue Führungs- und Eigentümerwechsel bei der Stada AG einher. Anders als noch in der schriftlichen Einladung vorgesehen, sprach sich der Aufsichtsrat des Pharmaherstellers auf der Hauptversammlung am Mittwoch überraschend gegen die Entlastung der früheren Vorstände Matthias Wiedenfels, Helmut Kraft und Hartmut Retzlaff aus.

Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Carl Ferdinand Oetker begründete die überraschende Wende mit dem Verdacht schwerwiegender Pflichtverletzungen der früheren Vorstände – insbesondere im Zusammenhang mit Beratungsdienstleistungen und intransparenten Transaktionen und Buchungen bei einer Akquisition. Unter anderem, so der Vorwurf, seien Beraterverträge abgeschlossen worden, denen keine Gegenleistung gegenüberstand. Auch habe der Vorstand den Aufsichtsrat nicht wahrheitsgemäß über Umsatztransaktionen im Zusammenhang mit einem Unternehmenserwerb in Serbien informiert, die vom Wirtschaftsprüfer nicht eingeordnet werden konnte.

Der Aufsichtsrat sei sich einig darin, dass man solche Geschäftspraktiken nicht tolerieren könne und eine Entlastung „nicht den Ansprüchen einer zeitgemäßen Corporate Governance entspricht“, erklärte Oetker.

Wiedenfels und Kraft hatten Anfang Juli ihre Ämter auf Druck des Aufsichtsrats niedergelegt. Der langjährige Firmenchef Retzlaff war bereits im Juni 2016 zunächst krankheitsbedingt und später dauerhaft ausgeschieden. Anstelle von Wiedenfels hat Anfang Juli der frühere Boehringer-Manager Engelbert Tjeenk Willink den Vorstandsvorsitz bei Stada übernommen, neuer Finanzchef wurde Bernhard Düttmann. Ein weiterer Führungswechsel dürfte Ende des Jahres folgen.

Denn der Bad Vilbeler Pharmahersteller befindet sich inzwischen im Mehrheitsbesitz der Private-Equity-Firmen Bain Capital und Cinven, die im Zuge eines Übernahmeangebots vor wenigen Wochen knapp 64 Prozent des Kapitals erworben haben und einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit dem Unternehmen anstreben.

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