Deutsche Börse: Wie würde ein „ehrbarer Kaufmann“ entscheiden?

Wir geben gerne zu: Trotz intensiver Diskussionen fällt es uns schwer, zum Fall Deutsche Börse eine klare These zu entwickeln. Einerseits finden wir das Vergütungsprogramm für Vorstandschef Carsten Kengeter zwar üppig, aber prinzipiell in Ordnung, weil es das Commitment zum Unternehmen fördert und Anreize zur mittel- bis langfristigen Wertschöpfung schafft (zumal der Aufsichtsrat nun eine Deckelung plant). Andererseits kritisieren Investoren zu Recht, dass die Börse 10,5 Millionen Euro Bußgeld zahlt, um das Verfahren wegen Insiderhandels und Ad-hoc-Verstößen abzuschließen.

In komplexen Situationen hilft kein Kodex

Damit dürfte der Aufsichtsrat um Joachim Faber die Hoffnung verbinden, dass auch das Parallel-Verfahren gegen Kengeter persönlich eingestellt wird. Dann könnte die Aufseher seinen Vertrag verlängern und für Kontinuität an der Firmenspitze sorgen. Schließlich bringt der Vorstandschef – das bestreiten selbst Kritiker nicht – wichtige Fähigkeiten mit. Insofern besteht aus unserer Sicht noch die Chance, dass der Kurs des Aufsichtsrats unterm Strich dem Wohl des Unternehmens dient. Klar ist schon jetzt: Die vertrackte Situation belegt, wie komplex Corporate Governance sein kann – und wie wenig dann unser Kodex hilft, der neuerdings das Leitbild des „Ehrbaren Kaufmanns“ propagiert. Denn ganz ehrlich: Wissen Sie, wie ein ehrbarer Kaufmann entscheiden würde?

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