ThyssenKrupp und indische Tata Steel wollen fusionieren

Die deutschen Stahlkocher bangen um ihre Jobs. Die Politik ist besorgt.

Duisburgs Oberbürgermeister ist entsetzt. „Als Sohn eines ehemaligen Mitarbeiters von Thyssen-Krupp blutet mir wirklich das Herz“, sagte Sören Link am Mittwoch. Kurz zuvor hatte der deutsche Konzern bekannt gegeben, dass er seine europäische Stahlsparte mit der des indischen Stahlkochers Tata Steel zusammenlegen will. 4000 Arbeitsplätze soll das kosten, allein bei Thyssen-Krupp sollen 2000 Jobs wegfallen. Die Stahlsparte von ThyssenKrupp ist in Duisburg angesiedelt. Kein Wunder, dass Link in Sorge ist. „Duisburg ist Stahl und Duisburg ist ThyssenKrupp“, erklärte der SPD-Politiker. „Wir sind stolz auf den Stahl.“

Doch dieser Stolz hat am Mittwoch Kratzer bekommen. Die Stahlindustrie und das Ruhrgebiet gehörten in der Vergangenheit fest zusammen. 27.000 Menschen arbeiten bei Thyssen-Krupp im Stahlbereich. Die Gewerkschaften sind stark. Wegen der Montanmitbestimmung stellt die Arbeitnehmerseite die Hälfte des Aufsichtsrats. „Wir wollen Sicherheit mit Blick auf die Risiken“, fordert Detlef Wetzel, IG-Metall-Vertreter im Aufsichtsrat. „Wenn das nicht passiert, dann wird das nichts.“ Immerhin sei ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger ja auf die Zustimmung des Aufsichtsrats angewiesen. Am Mittwoch legten Arbeiter im Stahlwerk in Duisburg vorübergehend die Arbeit nieder, am Freitag wollen die Stahlarbeiter in Bochum demonstrieren. Die Belegschaft hat Angst, dass weit mehr als die angekündigten 4000 Stellen verloren gehen.

Eineinhalb Jahre verhandelt

Anderthalb Jahre hatten ThyssenKrupp und Tata Steel verhandelt, am Mittwochmorgen unterzeichneten die Konzerne eine Absichtserklärung für ein Joint Venture. Beide Partner sollen an dem Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in den Niederlanden je 50 Prozent halten. Die neue Firma soll rund 48000 Mitarbeiter beschäftigen und wäre der zweitgrößte europäische Stahlkonzern nach ArcelorMittal.

Hiesinger spricht von einer nachhaltigen Zukunftsperspektive. Die Stahlbranche mit ihren über 300.000 Beschäftigten in Europa und mehr als 80.000 Mitarbeitern in Deutschland leidet seit Jahren unter Überkapazitäten, Preisdruck, Billigimporten aus China und immer schärferen Klimaschutzauflagen.

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