Gute Unternehmensführung: Unsere aktuellen Top Ten

Wie zuletzt Ende März gibt es heute wieder – unabhängig von der Wochenaktualität – unsere halbjährliche Auswahl von Unternehmen und Managern, die uns in Sachen Corporate Governance positiv aufgefallen sind – von A wie Allianz bis U wie United Internet. Wenn wir jemanden übersehen haben, der aus Ihrer Sicht unbedingt auf die Liste gehört, freuen wir uns über Hinweise.

Allianz: Entschlossene Transformation. Vorstandschef Oliver Bäte gehört zu den Top-Managern, die die digitale Transformation entschieden vorantreiben. Dass damit eine höhere Fluktuation auf Führungsebene einhergeht, ist nach unserem Eindruck ein Ausdruck von Konsequenz und Zielstrebigkeit. Darüber hinaus stimmt uns zuversichtlich, dass vermehrt branchenfremde Manager mit Digital- und Tech-Expertise in die Aufsichtsräte des Konzerns einziehen.

Ascom: Der Verwaltungsrat als Team. Was haben Überwachungsgremien und Fußballmannschaften gemeinsam? Sie müssen nicht nur aus guten Einzelspielern bestehen, sondern auch „als Team funktionieren“.  Das ist jedenfalls das Credo von Andreas Umbach, der den Verwaltungsrat des Schweizer Kommunikationsunternehmens Ascom leitet. Wir stimmen zu und gratulieren zum ersten Platz im Ranking der besten Schweizer Verwaltungsräte.

Bahlsen: Dialog mit den Nachfolgern. Schlechte Nachfolgemodelle sind das mit Abstand größte Risiko für den Fortbestand von Familienunternehmen. Keine Sorgen machen wir uns diesbezüglich um den Kekskonzern Bahlsen. Der Clan um Werner Bahlsen hat unter Anleitung professioneller Coaches eine Familienverfassung entwickelt, die eine enge Einbindung und einen stetigen Dialog mit der nächsten Generation um die 24-jährige Verena Bahlsen garantiert.

Deutsche Telekom: Kommunikator Höttges. Angesichts des rasanten Wandels sind derzeit in besonderem Maße Manager gefragt, die Veränderungen erklären und Mitarbeiter (sowie Aktionäre) überzeugen können. Zu den begabtesten Kommunikatoren seiner Zunft gehört Timotheus Höttges: Der Telekom-Chef ist zum zweiten Mal in Folge zum besten Redner unter den 30 Dax-Chefs gekürt worden. Glückwunsch!

Dräger: Aufsichtsrat ohne Verwandte. Während Hans Georg Näder, Patriarch des Prothesenherstellers Otto Bock, gerade seine erst 20-jährige Tochter für den Aufsichtsrat nominiert hat, geht Stefan Dräger andere Wege: Im Aufsichtsrat des Medizin- und Sicherheitstechnik-Unternehmens, das zu rund 71 Prozent den Drägers gehört, sitzen ausschließlich Familienfremde. Ein kompetenter, unabhängiger Aufsichtsrat“ sei ein „wichtiges Korrektiv“, sagt Dräger. Recht hat er.

DZ Bank: Führerschein für Digitalisierung. Der genossenschaftliche Bankensektor ist uns bislang ehrlich gesagt nicht durch übermäßige Ambitionen in Sachen Corporate Governance und digitale Transformation aufgefallen. Umso überraschter waren wir, als wir vom „digitalen Führerschein“ bei der DZ-Bank erfuhren: Top-Manager müssen dort in Seminaren und Webinaren Digital- und Tech-Expertise erwerben – und anschließend eine Prüfung ablegen.

Kion: Guter Mix im Aufsichtsrat. Gerade vor dem Hintergrund der Digitalisierung brauchen viele Aufsichtsräte eine Verjüngungskur. Besonders entschlossen hat John Feldmann, Aufsichtsratschef des Gabelstapler- und Lagertechnik-Herstellers Kion, frischen Wind in sein Gremium gebracht: Dort sitzt die 32-jährige Airbus-Managerin Christina Reuter neben erfahrenen Aufsichtsräten wie Alexander Dibelius – und sorgt für eine ausgewogene Mischung.

Nestlé: „Führen heißt auch dienen.“ Leadership bedeutet vielerorts noch immer: „Ich sage, wo’s lang geht.“ Doch in einer Zeit, in der neue Ideen entwickelt werden müssen und selbstbewusste Millennials in die Unternehmen drängen, kommt es immer mehr auf den Teamspirit an. Wir sind deshalb ganz bei Nestlé-CEO Mark Schneider, wenn er sagt: „Wer führen möchte, muss auch dienen können.“ Dieser Habitus dürfte beim  Teambuilding ungemein helfen.

Siemens: Kürzere Entscheidungswege. Siemens-Chef Joe Kaeser genießt den Ruf, ein besonders machtbewusster Manager zu sein. In der Praxis arbeitet er jedoch vehement daran, seinen Einfluss zu verringern: Kaeser gibt den Geschäftsbereichen mehr Freiheiten und sorgt auf diese Weise für deutlich kürzere Entscheidungswege. Zum Image des Machtmenschen will das nicht so recht passen.

United Internet. Engagement für die Gesellschaft. Wer nicht für die Werte einsteht, die er im Rahmen wohlklingender Leitbilder ausformulieren ließ, macht sich unglaubwürdig. Und wir finden es gerade in Zeiten populistischer Tendenzen wichtig, dass sich Top-Manager zu einer offenen Gesellschaft bekennen – wie United-Internet-Chef Ralph Dommermuth, der mit  „Wir zusammen“, eine der wichtigsten Initiativen zur Integration von Flüchtlingen ins Leben gerufen hat. Auch das ist gute Corporate Governance.

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