Daimler & Mitbestimmung: Mehr Agilität, weniger Teamgeist?

Dieter Zetsche wandelt auf den Spuren von Siemens-Chef Joe Kaeser: Wie der Daimler-Vorstandschef diese Woche bekanntgab, will er den Autokonzern zu einer Holding mit weitgehend selbstständigen Geschäftsbereichen machen. Das ist nachvollziehbar, denn in schnelllebigen Zeiten müssen Unternehmen agiler werden. Und hohe Hürden scheint es nicht mehr zu geben; lautstarke Kritik von Betriebsräten war jedenfalls nicht zu vernehmen.

Gefährliche Deals zulasten ausländischer Kollegen

Auch wenn Zetsches Strategie für uns ein klares „Top der Woche“ ist, möchten wir auf ein Problem hinweisen: Während die Mitarbeiter in Deutschland im Rahmen eines „Interessenausgleichs“ eine Jobgarantie bis 2030 bekommen, war von den ausländischen Kollegen zunächst nicht die Rede. Das könnte an der derzeitigen Systematik der Mitbestimmung liegen: Da die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat exklusiv von hiesigen Mitarbeitern gewählt werden, vertreten sie oft in erster Linie deren Interessen. Das kann dann dazu führen, dass sie Zugeständnisse zulasten ausländischer Standorte durchsetzen – was die Motivation der dortigen Mitarbeiter dämpft und dem Teamgeist im Konzern schadet. Wir sind gespannt, ob Zetsche dies verhindern kann.

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