Airbus-Chef Enders: Wo das wahre Compliance-Problem liegt

So oder so ähnlich dürfte es manchem Unternehmenslenker gehen: „Wir haben immer wieder interne und auch externe Prüfungen veranlasst und auch Prozesse verbessert“, sagte Airbus-Vorstandschef Thomas Enders in einem aktuellen Interview. „Und dennoch mussten wir feststellen, dass offenbar Regelverstöße möglich waren.“ Das zeigt erneut: Die Vorstellung, man könne Compliance-Risiken durch optimierte Prozesse und Kontrollsysteme auf einen Werte nahe Null reduzieren, ist naiv. Nicht ohne Grund verweisen Wirtschaftspsychologen auf die „Lust am Regelbruch“, die uns Menschen innewohnt.

Formalistischer Habitus verstellt den Blick

Deshalb ist es gefährlich, das Thema in erster Linie Controllern und Juristen zu überlassen. Aus unserer Sicht ist Compliance zuallererst eine Kulturfrage; statt eines formalistischen Habitus brauchen Unternehmen Diskussionen: Wie können wir eine Unternehmenskultur schaffen, die die „Lust am Regelbruch“ eindämmt? Und in der Menschen mit einer besonders ausgeprägten Neigung nicht reüssieren? Pauschale Antworten haben wir leider nicht im Angebot. Klar ist aber: Wohlformulierte Ethik-Kodizes reichen nicht – und können sogar kontraproduktiv sein, wenn inhaltsleere Worthülsen dominieren.

Hinweis: Wie Vorstände und Aufsichtsräte die Unternehmenskultur positiv prägen können, diskutieren wir auf dem 12. Deutschen Aufsichtsratstag am 24. November mit Martin Spilker vom Kompetenzzentrum Führung und Unternehmenskultur der Bertelsmann-Stiftung.

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