Airbus-Affäre: Nemat und Keitel zum Rapport nach Berlin?

Es ist eine der seltenen erfreulichen Entwicklungen, was das Thema Staatsbeteiligungen und Corporate Governance angeht: Deutschland und Frankreich einigten sich 2013, keine Minister, Staatssekretäre oder andere politisch Nominierte mehr ins Board von Airbus zu schicken. Auf Vorschlag des Unternehmens – und im Einvernehmen mit der Bundesregierung – sind in der Folge mit Telekom-Vorstandsmitglied Claudia Nemat und dem früheren Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel zwei erfahrene Manager in das Gremium eingezogen (der Bund hält rund 11 Prozent an Airbus).

Die Lehren aus VW, Bahn und BER ziehen!

Doch jetzt drängt der französische Präsident Emmanuel Macron laut Medienberichten auf einen stärkeren Einfluss, um den ungeliebten Airbus-CEO Thomas Enders loszuwerden. Zugleich ist aus Berlin zu hören, dass Regierungsvertreter unzufrieden sind: Nemat und Keitel hätten sie nicht ausreichend über die Korruptionsaffäre informiert. Nur zur Erinnerung: Wir reden über unabhängige Board-Mitglieder, die sich aus unserer Sicht – genau wie Aufsichtsräte – zunächst dem Wohl des Unternehmens und nicht einzelnen Stakeholdern verpflichtet fühlen sollten. Und bei denen sich zudem die Frage stellt, welche Informationen sie weitergeben dürfen. Wer sie zum Rapport nach Berlin zitieren will, offenbart deshalb ein fragwürdiges Governance-Verständnis. Hoffen wir, dass keine gefährliche Koalition zwischen Macron und den Berliner Anhängern dirigistischer Wirtschaftspolitik entsteht – und dass das Airbus-Tandem Nemat/Keitel weitermachen darf. Alles andere wäre angesichts der Querelen in den politisch gefärbten Aufsichtsräten von VW, Deutscher Bahn und dem Flughafen BER eine Farce.

DCGIBoardNews

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