Unternehmenskultur: Lidl und der Fluch des „Managers des Jahres“

Bisweilen ist der Titel als „Manager des Jahres“ ein Früh-Indikator für schlechtere Zeiten. Die WirtschaftsWoche erwies sich mit Wendelin Wiedeking und der Citibank-Managerin Christine Licci als Vorbote für einen Karriereknick; das „Manager Magazin“ kürte 1998 Jürgen Schrempp, 2003 Klaus Zumwinkel und 2012 Martin Winterkorn. Und jetzt fällt auch noch ein Schatten auf das Wirken des 2016er-Preisträgers Klaus Gehrig, seines Zeichens Aufsichtsratsvorsitzender bei Lidl.

Scheitert die digitale Transformation an der Kultur?

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir fanden die Wahl nachvollziehbar. Denn der fast 70-Jährige schien auf dem besten Weg, nicht nur Lidl, sondern auch sich selbst neu zu erfinden: Er führte in dem hierarchisch geprägten Konzern eine Duz-Kultur ein und ließ den damaligen Vorstandschef Sven Seidel entschlossen neue Digital- und Filial-Konzepte vorantreiben. Doch seither wurden Seidel (der gerade bei Otto angeheuert hat) und andere Führungskräfte ausgetauscht, Zukunftsprojekte gestoppt. Dass Lidl jetzt eine neue digitale Offensive vorbereitet, bewertet das „Handelsblatt“ deshalb skeptisch: „Ob der Discounter auch die Unternehmenskultur bietet, die solche Experimente zulässt, ist nach den jüngsten strategischen Entscheidungen eher fraglich.“ Wir hoffen, dass der Eindruck täuscht.

DCGIBoardNews

Die neuesten Corporate Governance News kostenlos in Ihrem Posteingang.

Jederzeit abbestellbar.