Bahn-Aufsichtsratschef Felcht redet Tacheles: Warum erst jetzt?

Wir gehörten zu denjenigen, die wegen der chaotischen Nachfolgeplanung den Rücktritt von Utz-Hellmuth Felcht gefordert haben. Doch der Bahn-Aufsichtsratschef zögerte lange, bis er endlich Konsequenzen zog – verabschiedete sich dafür jetzt aber umso lautstärker: „Die Politik hat durch viele Wünsche, Taktierereien und Vorgaben die Arbeit des Aufsichtsrats immer schwieriger gemacht“, sagte Felcht der FAZ (siehe auch BoardNews vom 1. Dezember). „Sie hält sich nicht an die Vorgaben des Aktienrechts.“

Verantwortungsbewusstsein vs. Ego: 1:0 für Felcht

Der Eigentümer trage somit die Verantwortung für die quälend lange Suche nach neuen Bahn-Vorständen, sagte der 70-jährige Ex-Degussa-Chef: „Das professionellste Auswahlverfahren und einstimmige Abstimmungen bringen nichts, wenn die Politik dazwischenfunkt und Entscheidungen versucht von außen zu beeinflussen.“ Wir geben zu: Diese klaren Worte hätten wir uns früher gewünscht, weil sie womöglich eine Reformdynamik ausgelöst hätten. Andererseits nötigt es uns Respekt ab, dass Felcht trotz massiver Kritik an seiner Person lange stillgehalten und versucht hat, seinen Job bestmöglich zu erledigen. Das Verantwortungsbewusstsein war offenbar stärker als das Ego.