ZF, Aldi & Co: Für die Ewigkeit? Wenn Stiftungen destabilisieren

Vor wenigen Wochen zeigte er sich noch kämpferisch, jetzt zog er die Reißleine: Giorgio Behr ist als Aufsichtsratschef des Stiftungskonzerns ZF Friedrichshafen zurückgetreten. Zu seinem Nachfolger wurde kurz darauf der ehemalige Audi-Chef Franz-Josef Paefgen gekürt, der seit 2008 im ZF-Aufsichtsrat sitzt. Behrs abrupter Abgang ist der Höhepunkt eines Konflikts zwischen dem Schweizer Unternehmer und dem Friedrichshafener Oberbürgermeister Andreas Brand, der die Zeppelin-Stiftung leitet (ihr gehörenknapp 94 Prozent der ZF-Anteile). Im Aufsichtsrat hatte Brand den Expansionskurs von Vorstandschef Stefan Sommer, den Behr unterstützte, wiederholt blockiert.

Konfliktträchtige Testamente und Stiftungskonstruktionen

Die Turbulenzen zeigen: Stiftungen als Eigentümer wirken trotz ihrer langfristigen Perspektive nicht automatisch stabilisierend. Und ZF ist kein Einzelfall: Bei Aldi Nord kämpfen Familienmitglieder derzeit um ihren Einfluss auf die Jakobus-Stiftung – und damit um die Macht im Konzern. Auch beim Dienstleistungskonzern Dussmann hat die Stiftungslösung nicht für Kontinuität gesorgt. Wurzel des Übels sind konfliktträchtige Erbregelungen und Stiftungskonstruktionen oder – wie im Spezialfall ZF – der Einfluss der Politik. Der hat zwar historische Ursachen, zeigt aber gleichermaßen: Selbst Stiftungen taugen nicht für die Ewigkeit. Und je komplexer die Konstellation, desto früher sind Turbulenzen zu befürchten.