ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger: Zauderer oder Zukunftsmacher?

Es ist eine klassische Interessenkollision: Anteilseigner wie Lars Förberg, Gründer des Finanzinvestors Cevian, müssen ihren eigenen Investoren vernünftige Renditen liefern und sind deshalb zunehmend unzufrieden mit den langsamen Fortschritten bei ThyssenKrupp. Der Vorstand um Heinrich Hiesinger wiederum scheut eine höhere Schlagzahl, weil er die Mitarbeiter des Traditionskonzerns nicht verprellen will. Und deren Reformbereitschaft ist überschaubar – auch weil der Konzern dank der Dominanz der Stiftung über Jahrzehnte weitgehend abgeschirmt war vom Druck des Kapitalmarkts.

Investor und Aufsichtsrat: Zwei Herzen in einer Brust

Sollte Hiesinger also den Schalter umlegen und stärker aufs Tempo drücken? Wir meinen: nein. Entschlossenere Einschnitte würden zwar vermutlich den Aktienkurs beflügeln, aber zugleich Unternehmenskultur und Mitarbeitermotivation schwächen – und damit die Zukunftsaussichten belasten. Und je lautstarker Förberg opponiert, desto stärker drängt sich die Frage auf, ob er sich als Aufsichtsrat in ausreichendem Maße dem (langfristigen) Unternehmenswohl verpflichtet sieht – oder ob es ihm allein um die (kurzfristigen) Interessen von Cevian geht. ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner hat jedenfalls zurecht darauf hingewiesen, dass es Aufsichtsräten um das „Wohlergehen des Unternehmens“ gehen muss. Anderenfalls werde er Gremienmitglieder „daran erinnern“.

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