ZF Friedrichshafen: Ein Aufsichtsrat in der rechtlichen Grauzone

Jüngst hatten wir in den BoardNews den politischen Einfluss auf den Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen kritisiert: Der Friedrichshafener Oberbürgermeister Andreas Brand – in Personalunion Vorsitzender des Mehrheitsaktionärs Zeppelin-Stiftung sowie ZF-Aufsichtsratsmitglied – hat wiederholt Pläne des Vorstandschefs Stefan Sommer blockiert, woraufhin Aufsichtsratsvorsitzender Giorgio Behr, ein Unterstützer von Sommer, seinen Hut nahm (für ihn zieht, wie diese Woche bekannt wurde, die Fuchs-Petroclub-Finanzchefin Dagmar Steinert ins Gremium ein). Kurz nach Behr nahm auch Vorstandschef Sommer seinen Hut.

Das Aufsichtsratsmandat ist ein „höchstpersönliches Amt“

Seither gehen Journalisten der Frage nach, welche Rolle Oberbürgermeister Brand konkret spielte. Laut Handelsblatt soll er „Überzeugungsarbeit bei einzelnen Aufsichtsräten geleistet haben“. Damit hätte er sich in einer rechtlichen Grauzone bewegt, meint der Unternehmensrechtler Carsten Schäfer im Interview. „Inakzeptabel wäre es sicherlich, mit der Abberufung zu drohen, falls die Aufsichtsratsmitglieder ihr Stimmrecht in bestimmter Weise ausüben (oder nicht ausüben).“ Mehrheitsaktionäre dürften den von ihnen bestellten Gremienmitgliedern „keine konkreten Weisungen erteilen“. Schließlich sei das Amt „ein höchstpersönliches“.

DCGIBoardNews

Die neuesten Corporate Governance News kostenlos in Ihrem Posteingang.

Jederzeit abbestellbar.