Klaus Kinkel fordert Aufsichtsrat

Vorsitzender der DFB-Ethikkommission rügt „Interessenkollision durch Ämterhäufung“ und spricht Klartext in Richtung der Fifa: „Total konfuse Zustände“.

Klaus Kinkel kam verspätet. Der Schnee hatte seine Bahn aufgehalten. Der 81-jährige ehemalige Justiz- und Außenminister ist Vorsitzender der am 1. Januar 2017 neu gegründeten Ethikkommission des Deutschen Fußball-Bundes. Jetzt stellte sich das fünfköpfige Gremium mit seiner zumeist im verborgenen geleisteten Arbeit erstmals vor. Um zu dokumentieren, dass es sich laut Satzung um eine unabhängige Instanz handelt, fand der Termin nicht in der DFB-Zentrale statt, sondern zwei Abschläge entfernt in einem Tagungshotel am Waldrand.

Kinkel und Kollegen haben sich inzwischen ein noch recht diffuses Bild sowohl vom Weltverband Fifa als auch, deutlich konkreter, vom DFB gemacht. Kaum hatte Kinkel im Frühjahr seinen Antrittsbesuch bei den Kollegen der Fifa-Ethikkommission absolviert, hatte die Fifa die beiden Ethik-Chefs, den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert und den Schweizer Cornel Borbely, schon schnöde entlassen. Kinkel rügt „total konfuse Zustände“ beim Weltverband, die er als „unglückselig“ für den Fußball bezeichnet.

Der Führung des DFB attestiert der FDP-Mann, sie gebe sich „gewaltige Mühe“. Gleichwohl fordert der den Verband auf, seine Kontrollmechanismen zu verbessern. Denn: „Der DFB ist zwar ein Verein, aber in der Praxis ein Unternehmen.“ Kinkel diagnostiziert sowohl eine „Interessenkollision durch Ämterhäufung“ als auch das „Fehlen eines effektiven Aufsichtsorgans“. Die Ethikkommission fordert den Verband deshalb auf, einen „Aufsichtsrat mit unabhängigen Experten“ zu installieren. Gehörigen Druck macht sie dabei aber nicht, Kinkel reicht es vorerst, wenn „Ansätze erkennbar sind, wohin die Reise geht“.

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