VW-Chef Matthias Müller: Woran der Kulturwandel zu scheitern droht

Wer führenden VW-Managern zuhört, muss den Eindruck gewinnen, dass bald alles gut wird. „Wir haben verstanden“, sagt Vorstandschef Matthias Müller. Und Markenchef Herbert Diess sieht bereits große Fortschritte in Sachen Unternehmenskultur: „Der neue Gestaltungsspielraum motiviert die Kollegen und setzt unternehmerische Kräfte frei“, sagte er jüngst im Interview. Allein: Eine Recherche der ZEIT („Operation heiße Luft“) lässt Zweifel aufkommen. Demnach hat der aktuelle Vorstand bei einer Führungskräfte-Befragung schlechtere Noten in Sachen Ehrlichkeit und Offenheit bekommen als ihre Vorgänger um Martin Winterkorn.

Kritik an Vorgesetzten bedeutet immer noch „E-de-Ka“

Auf einem Workshop zum Thema „Integrität“ im November habe ein Mitarbeiter moniert, dass Kritik noch immer oft „E-de-Ka bedeutet: Ende der Karriere“. Daraufhin, so die ZEIT, hätten einzelne Mitarbeiter applaudiert und viele zustimmend genickt. Klar: Ein Kulturwandel ist eine langwierige Sache. Aber für entscheidende Fortschritte muss die Führungsriege glaubwürdig für einen Neuanfang stehen. Und wenn der Ex-Finanzchef an der Spitze des Aufsichtsrats steht und Dieselgate-Opfer allenfalls halbherzig entschädigt werden, weckt das eben Zweifel an der Glaubwürdigkeit. Wo VW wirklich steht, werden wir vermutlich merken, wenn die Autokonjunktur nachlässt – und nur noch die Hersteller reüssieren, bei denen eine Innovations- und keine Angstkultur herrscht.

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