Der Trend ist eindeutig: Familienunternehmen setzen verstärkt auf Kontrollgremien. So kündigte der Spirituosenhersteller Underberg an, einen unabhängigen Beirat mit zwei Familienmitgliedern und drei unabhängigen Experten einzurichten. Auch die ostwestfälische Groß-Metzgerei Tönnies und der Prothesenhersteller Otto Bock haben 2017 ihre Corpoate-Governance-Strukturen professionalisiert: Firmenchef Clemens Tönnies rief vor wenigen Wochen einen Beirat ins Leben, in dem unter anderem die früheren Vorstände Siegfried Russwurm (Siemens) und Helmut Limberg (Jungheinrich) sitzen.

Dräger: „Unabhängiger Aufsichtsrat als wichtiges Korrektiv“

Fast zeitgleich hat Otto-Bock-Chef Hans Georg Näder Profis wie den Ex-Bosch-Manager Bernd Bohr, Satorius-Chef Joachim Kreuzburg und Design-Professorin Gesche Joost in den neuen Aufsichtsrat berufen. Wir ahnen: Patriarchen wie Tönnies und Näder fällt ein solcher Schritt nicht leicht. Aber die Erfahrungen anderer Familienunternehmer sprechen für sich: Ein „wirklich kompetenter, unabhängiger Aufsichtsrat“ sei ein „wichtiges Korrektiv“, sagte vor wenigen Monaten Stefan Dräger, Chef des gleichnamigen Lübecker Medizin- und Sicherheitstechnikunternehmens. Er hat deshalb sämtliche Familienmitglieder aus dem Kontrollgremium verbannt. Soweit sind die Underbergs, Tönnies‘ und Näders noch nicht: Hans Georg Näder etwa hat seine 20-jährige Tochter Georgia ins Kontrollgremium berufen. Mal sehen, wie sie sich zwischen Profis wie Bohr, Kreuzburg & Co. schlägt.