Staatsfirmen und ihre Aufsichtsräte: Politik statt Professionalität

Der scheidende Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn, Utz-Hellmuth Felcht, hat es vor wenigen Wochen in erfreulicher Klarheit auf den Punkt gebracht. „Die Politik hat durch viele Wünsche, Taktierereien und Vorgaben die Arbeit des Aufsichtsrats immer schwieriger gemacht“, sagte er. Und die Bahn ist kein Einzelfall: Wenn Politiker in Aufsichtsgremien sitzen, sinken die Chancen auf eine professionelle Überwachung nach unserem Eindruck deutlich. Beispiele dafür gab es auch 2017 reichlich – zum Beispiel die anhaltenden Turbulenzen am Flughafen BER.

VW-Aufsichtsrat Althusmann: Der Umfaller des Jahres

Umso ärgerlicher, dass sich nichts ändert. So rückte der niedersächsische CDU-Chef Bernd Althusmann nach der Landtagswahl in atemberaubendem Tempo von seiner Ankündigung ab, künftig Experten aus der Wirtschaft in den VW-Aufsichtsrat zu schicken – und reklamierte das Mandat kurzerhand für sich selbst. Als wäre das nicht schon ärgerlich genug, drohen jetzt sogar Rückschritte bei Staatsfirmen, die auf einem guten Weg waren. So mehrten sich jüngst Anzeichen, dass Frankreich und Deutschland Airbus wieder stärker unter politische Kontrolle bringen wollen. Die Politik scheint damit eher auf dem Vormarsch, statt sich aus der Wirtschaft rauszuhalten – für uns definitiv eine der größten Enttäuschungen des Jahres.

DCGIBoardNews

Die neuesten Corporate Governance News kostenlos in Ihrem Posteingang.

Jederzeit abbestellbar.