Oliver Samwer: Starker Gründer, schwache Corporate Governance

Für den Gründer der Startup-Schmiede Rocket Internet war 2017 ein „Superjahr“. Die Beteiligungen Delivery Hero und HelloFresh seien „sehr erfolgreich an der Börse gestartet“, lobt Oliver Samwer. Der Schönheitsfehler: Die Rocket-Internet-Aktie, einst mit mehr als 56 Euro bewertet, dümpelt seit nunmehr eineinhalb Jahren um die Marke von 20 Euro – trotz Börsen-Hausse. Wir fürchten: Samwer ist zwar ein begnadeter Gründer, der wie kaum ein Zweiter vielversprechende Geschäftsmodelle entwickeln und vorantreiben kann.

Rocket Internet: Keine einzige Frau im Aufsichtsrat

Doch wenn aus Startups etablierte Unternehmen werden – seien es die Beteiligungen oder Rocket Internet selbst -, sind weitergehende Qualitäten gefragt. Und gerade in Sachen Corporate Governance offenbart Deutschlands Super-Gründer Schwächen. So haben wir bereits im Zuge des Börsengangs kritisiert, dass der HelloFresh-Aufsichtsrat noch immer überwiegend aus Investoren besteht – unabhängige Gremien sehen anders aus. Und auch das Kontrollgremium von Rocket Internet wirft Fragen auf – zum Beispiel, warum unter den acht Aufsichtsräten keine einzige Frau ist (ebenso wenig wie im dreiköpfigen Vorstand und im fünfköpfigen „Leadership Team“). Unsere Prognose: Ohne Governance-Reformen sollte bei der Startup-Schmiede niemand mit nachhaltigen Fortschritten rechnen.