Steinhoff-Skandal: Hätte die Deutsche Börse vorbeugen können?

Der Skandal um den Möbelkonzern Steinhoff sorgt auch in Südafrika für Schlagzeilen – schließlich ist das MDax-Unternehmen nicht nur in Frankfurt, sondern auch an der Börse in Johannesburg gelistet. Der renommierte BWL-Professor Owen Skae hat dort in einem aktuellen Kommentar Schwächen des deutschen Corporate-Governance-Systems als Ursache ausgemacht und gefordert, auch doppelt gelistete Unternehmen wie Steinhoff auf den südafrikanischen Governance-Kodex zu verpflichten. Wir meinen: Die Kritik ist zu pauschal – wirft aber wichtige Fragen auf.

Aufsichtsrat: Übermächtiger Chef mit drei Vasallen?

Zunächst: Ursache für den Steinhoff-Skandal ist aus unserer Sicht nicht das „Two-Tier-System“ mit Vorstand und Aufsichtsrat, sondern dessen mangelhafte Umsetzung. Dafür liefert Skae selbst Indizien, indem er den zehnköpfigen Aufsichtsrat analysiert und Schwächen herausfiltert – etwa die Doppelrolle des Großaktionärs und im Dezember ausgeschiedenen Gremienchefs Christo Wiese, den Mangel an unabhängigen Mitgliedern sowie die Tatsache, dass bis vor kurzem drei Kontrolleure sämtliche AR-Ausschüsse kontrollierten.

Warum Governance-Standards an der Börse Sinn machen

Einen Systemfehler gibt es aber womöglich in anderer Hinsicht: Anders als an der Deutschen Börse sind in Johannesburg prägnante Governance-Standards (in Form des südafrikanischen „King IV“-Kodex) unmittelbare Bedingung für ein Listing. Skae kritisiert, dass der zweitgelistete Steinhoff-Konzern sich darum nicht zu scheren brauchte. Im Geschäftsbericht gebe es jedenfalls „keinen Verweis“ auf die Vorgaben. Das wirft die Frage auf, ob die Frankfurter Börse nicht ebenfalls bestimmte Governance-Standards zur unmittelbaren Listing-Voraussetzung machen sollte, wie wir und die Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD) es 2017 mit Blick auf das Mittelstandssegment Scale vorgeschlagen haben. Womöglich bringt der Fall Steinhoff ja neuen Schwung in die Debatte.

DCGIBoardNews

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