Aufsichtsrat der Woche: Warum Ulrich Lehner unter Beschuss gerät

Er ist einer der kompetentesten und mächtigsten Aufsichtsräte der Republik: Ulrich Lehner führt die Gremien von Deutscher Telekom und ThyssenKrupp und kontrolliert zudem Eon, Henkel und die Porsche SE. Das dürfte nicht immer vergnügungssteuerpflichtig sein, aber in den letzten Tagen kam es für den 71-Jährigen besonders dick: So wurde am Montag bekannt, dass das Landgericht Stuttgart dem Vorstand und dem Aufsichtsrat der Porsche SE, die 52,2 Prozent der VW-Stammaktien hält, eine „schwerwiegende Pflichtverletzung“ vorwirft. Sie hätten es versäumt, im Vorfeld von Dieselgate für ein „funktionierendes Überwachungssystem“ zu sorgen.

Strenger fordert frischen Wind im ThyssenKrupp-Aufsichtsrat

Kurz zuvor hatte der Corporate-Governance-Experte Christian Strenger auf der ThyssenKrupp-Hauptversammlung den von Lehner zusammengestellten Aufsichtsrat kritisiert: Viele Mitglieder seien zu lange im Amt. Außerdem sei seine neue Stellvertreterin Ursula Gather (64) für den Job nicht qualifiziert genug. Wir meinen: Strenger hat einen wichtigen Punkt gemacht – auch wir würden uns mehr frischen Wind im ThyssenKrupp-Aufsichtsrat wünschen. Andererseits: Angesichts der Querschüsse des Investors Cevian und der turbulenten Umbauphase wäre es nachvollziehbar, wenn Lehner Kontinuität und Verlässlichkeit – vorrübergehend – höher gewichtet als Erneuerung. Das sollte aber kein Dauerzustand werden.

DCGIBoardNews

Die neuesten Corporate Governance News kostenlos in Ihrem Posteingang.

Jederzeit abbestellbar.