Gerhard Cromme: Abschied eines Antreibers

Man kennt das: Zur Verabschiedung gibt’s viele warme Worte, und manchmal sind eher Ausdruck klammheimlicher Freude über den Abgang als von wahrer Wehmut. Anders scheint es uns gewesen zu seinen, als Joe Kaeser auf der Hauptversammlung am Mittwoch seinen scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden lobte: Gerhard Cromme sei „ohne Frage eine der herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft und hat Siemens in bewundernswerter Weise gedient“, sagte der Siemens-Chef. Tatsächlich kann sich die Bilanz des 74-Jährigen sehen lassen – vor allem, weil er nach schwierigen Phasen (wie dem Korruptionsskandal und dessen Aufarbeitung) entscheidend dazu beigetragen hat, Siemens auf den richtigen Weg zu bringen.

Von der Deutschland AG ins digitale Zeitalter

Es ist damit auch sein Verdienst, dass der Konzern heute gut dasteht und mit einer klaren Strategie auf die Herausforderungen der digitalen Transformation reagiert. Und auch über Siemens hinaus gehört Cromme zu denjenigen, die die Modernisierung der Deutschland AG in den letzten Jahren vorangetrieben haben – so fungierte er bis 2008 als Vorsitzender der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex. Erlauben Sie uns deshalb ein Wort in eigener Sache: Wir würden uns freuen, wenn er sich weiter für gute Unternehmensführung engagiert – und zwar nicht nur in seiner neuen Rolle als Startup-Aufsichtsrat, sondern auch, indem er seine Erfahrungen mit dem tiefgreifenden Umbau eines Konzerns an andere Aufsichtsräte weitergibt. Eine Möglichkeit dazu böte sich auf dem 13. Deutschen Aufsichtsratstag im Juni.

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