Ein neues Buzzword geistert durch die Redaktionsstuben: Von einer „Diversity-Depression“, bisweilen auch vom „Diversity Blues“ ist die Rede. Dahinter steht die These, dass in Sachen Frauenquote zwar viel geredet, aber wenig unternommen wird. So kritisiert das „Manager Magazin“, dass beim Nivea-Konzern Beiersdorf (Aufsichtsratschef seit 2008: Reinhard Pöllath) „bis heute“ keine Frau im Vorstand sitzt. Dabei hätte sich das laut Zielvorgabe bereits Mitte 2017 ändern sollen. Auch HeidelbergCement gebe sich mit einer Frauenquote von null Prozent zufrieden – und zwar für die kommenden drei Jahre.

Diversity ist weit mehr als die Frauenquote

Wir meinen: Bei allem berechtigten Unmut gibt es für eine „Diversity-Depression“ noch keinen Grund. Denn zum Einen ist Vielfalt weit mehr als ein hoher Frauenanteil – es kann deshalb beispielsweise Sinn machen, einen ausländischen Marketing-Mann statt einer deutschen Finanzexpertin in den Vorstand zu berufen. Und hier machen auch Frauen-Muffel Fortschritte; der HeidelbergCement-Aufsichtsrat etwa hat den Vorstand zuletzt konsequent internationalisiert. Hinzu kommt: In den Aufsichtsräten tut sich was – auch, aber nicht nur getrieben von der gesetzlichen Frauenquote. So hat Reinhardt Pöllath 2017 die Pharma-Managerin Hong Chow ins Beiersdorf-Kontrollgremium geholt. Dieser Trend wird über kurz oder lang dazu führen, dass auch die Vorstände weiblicher werden. Die Devise sollte deshalb lauten: Keinen „Blues“ bekommen, sondern einfach die Taktzahl erhöhen.